Osiris in Abydos – Deutsches Archäologisches Institut-Jahresbericht 2009 morein: Archäologischer Anzeiger 2010/1 Beiheft, 161-163 |
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Egyptology and Abydos
Archaologischer Anzeiger 2010/1 Beiheft
Deutsches Archaologisches Institut
JAHRESBERICHT 2 00 9
HirmerVerlag ■ Munchen
ARCHAOLOGISCHER ANZEIGER • BEIHEFT
die Zeitschrift erscheint seit 1889, das Beiheft mit dem Jahresbericht des DAI seit 2008
AA 2010/1 Beih. • VI, 426 Seiten mit 551 Abbildungen
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Deutsches Archaologisches Institut
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Koblenz, Germany, http://grdc.bafg.de. - Landergrenzen nach Environmental Systems Research, Inc. (ESRI), 20050811, Countries: ESRI Data&
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Abteilung Kairo 161
Abb. 24 Abydos, Konigsfriedhof Umm
el-Gaab. Grab des Konigs Djer,Turkisfigur
Abb. 25 Abydos, Konigsfriedhof Umm
el-Qaab. Privatstele einer Frau
steckten im Boden noch Keramikfragmente und auch die Treppe des Mitt-
leren Reiches in der Nordwestecke, imter der F. Petrie einige ImportgefaBe
fand, ist mcht unmittelbar auf den Estrich der 1. Dynastie, sondern auf eine
diinne Sandschicht gegriindet.
Nach weiterem Abbau derHalden wurden die siidlichen Nebengraber voll-
standig freigelegt und geleert (Abb. 23). Sie bestehen aus einer baulichen Ein-
heit von ca. 16,50m x 4,08m GroBe mit 20Kammern, die in zwei von Ost
nach West verlaufenden Reihen in etwa 5,65 m Abstand von der Konigskam-
mer angelegt sind. Eine durchlaufende Mittelwand trennt die beiden Reihen
von acht groBeren Kammern im Norden und zwolf kleineren Kammern im
Siiden. Die Tiefe betragt durchweg ca. 1,45 m. Am Boden sind verschiedent-
lich Reste von Holzsargen erhalten. Bei mehreren Kammern ist die Nord-
wand ausgehackt worden, da der Platz fur den Sarg zu klein war.
Die Eindeckung der Graber erfolgte mit Rundholzern, die auf der
nordlichen beziehungsweise siidlichen Aufienwand auflagen und von dort
die Kammern in Nord-Siid-Richtung zur tragenden Mittelwand iiber-
spannten. Auf den Aufienmauern sind Lehmziegel reste von der Einmaue-
rung der Balkenkdpfe erhalten. Als Deckschicht diente dariiber eine Lage
Lehmziegel.
Von den ostlichen Nebengrabern wurden die siidlichen 35 Kammern frei-
gelegt und drei Kammern geleert. Sie sind in drei Reihen angeordnet, von
denen die innere Reihe mit groBeren Kammern etwas hoher liegt als die bei-
den auBeren Reihen. Auch hier sind noch Reste der Deckenfassung erhal-
ten. Einige Kammerwande waren ausgehackt, um die Sarge aufnehmen zu
kdnnen.
In der Restfullung der Konigskammer, den Schuttiiberlagerungen und
Fiillungen der Nebengraber fanden sich wie in den bisherigen Kampagnen
grofie Mengen an Keramik, vor allem Weinkrugfragmente, Scherben von
SteingefaBen, einige Siegelabrollungen und verschiedene Elfenbein- und
Steinobjekte (Abb. 24) sowie weitere Fragmente vom Schrein des Osiris und
Votivgaben fur Osiris.
In der Umgebung des Grabes des Peribsen wurden westlich bzw. nord- und
siidostlich weitere Abschnitte der originalen Wiistenoberflache von Flugsand
und Schuttiiberlagerungen gereinigt. Im Westen kamen dabei noch einige
Siegelabrollungen und etwas Keramik zu Tage, im Osten gab es nur verein-
zelte Streufunde an Keramik. Im Siidosten, an den Auslaufern der Halden
des Djer, wurde neben Keramik aus dem Grab des Djer auch eine kleine Pri-
vatstele einer Frau gefunden (Abb. 25).
Forderung: DFG * Leitung des Projekts: G. Dreyer • Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen: F. Barthel, A. Blobaum, K. Butt, R. Hartmann, U. Har-
tung, A. Kohse, C. Knoop, I. Kohler, H. Kopp, R. Kuhn, E.-S. Lincke,
M. Mahn, N. Marcinzik, P. Meyrath, S. Miiller, V. Miiller, A. Rost, M. Sahl-
hof • Abbildungsnachweis: DAI-KAI (Abb. 22-25).
Osiris in Abydos
Im Rahmen des Forschungsclusters 4 ^Heiligtumer: Gestalt und Ritual.
Kontinuitat und Veranderung-s des DAI wird die Nutzung der Nekro-
pole von Umm el-Qaab als zentraler Kultort des Osiris untersucht, ins-
besondere die kultische Kontinuitat vom ausgehenden Alten Reich (um
2200v.Chr.) bis zum friihen 6.Jh. n.Chr. Ziel ist die Rekonstruktion des
bislang weitgehend unbekannten Kultgeschehens am Osirisgrab (Grab des
Konigs Djer), insbesondere in Verbindung zu den umgebenden sakralen
Bereichen und Anlagen.
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162 Jahresbericht 2009 des DAI
Abb. 26 Osiris in Abydos, Ansicht der
temporaren Keramiksteingarten am Osiris-
grab. I mVordergrund dieFundstelleO-NN
In Abstimmung mit den fortlaufenden Grabungen des DAI zur Unter-
suchung der friihdynastischen Nutzung der Nekropole von Umm el-Qaab
(zu den Arbeiten in Abydos s. auch hier S. 160. 161), lag ein Schwerpunkt
des Projekts in der Fortsetzung der Dokumentation der zahlreichen osiria-
nischen Funde und Befunde. Hierzu zahlt insbesondere die systematische
Erfassung der wahrend der Grabung am Osirisgrab gelagerten Keramik-
berge. Insgesamt wurden 40 573 diagnostische Scherben und vollstandige
GefaBe bearbeitet (Abb. 26). Auf dieser Basis kann nun das Spektrum der
Waren und Formen, vor allem hinsichtlich ihrer Haufigkeit und relati-
ven Haufigkeit, verlasslich rekonstruiert werden. Die bislang angenom-
mene Dominanz der sog. Spatzeitflaschen scheint iiberdenkenswert zu
sein — teilweise wird das Repertoire von Biertopfen und -flaschen des
spaten Neuen Reiches (urn HOOv. Chr.) und vor allem der 3. Zwischen-
zeit (ca. 1000—750v.Chr.) dominiert. Es deutet sich an, dass ein GroBteil
des Materials bereits aus der Libyerzeit vor der 25. Dynastie stammt (ca.
720—655 v. Chr.). Die 19. Dynastie ist ebenfalls besonders prominent ver-
treten. Dariiber hinaus konnten zahlreiche bislang unbekannte Formen
des Mittleren Reiches (um 1800v.Chr.) dokumentiert werden, die teil-
weise gute Parallelen im Material aus dem Tempelkomplex Sesostris III.
in Abydos-Siid finden.
Als ausgesprochen ergiebig hat sich die Aufarbeitung der Archivmaterialien
und Funde der fruheren Ausgraber E. Amelineau, F. Petrie und E. Naville
erwiesen. Wahrend der Bearbeitung der beschrifteten Keramik des Neuen
Reiches und der 3. Zwischenzeit (Abb. 27) konnten so erneut aus den Neu-
funden der DAI-Grabung Anpassstiicke zu Fragmenten aus den alten Gra-
bungen, welche sich heute in verschiedenen Sammlungen und Museen —
besonders in Paris, Chateaudun, Chiddingston und London — befinden,
identifiziert werden.
Unter den zahlreichen Kleinfunden befindet sich auch ein sog. Osiris-
beet, ein aus Lehm bestehender GefaBinhalt mit Abdriicken von Getreide-
kornern. Des Weiteren konnte ein Schulterfragment einer Osirisfigur aus
ungebranntem Lehm zugewiesen werden; mehrere ahnliche Figuren waren
bereits friiher von E. Naville am Ende eines auf das Osirisgrab zufiihrenden
Pro z ess ions weges gefunden worden. Mehrere Kalksteinblocke, insbesondere
Abb. 27 Osiris in Abydos, Votivgefa (ifrag -
ment mit Darstellung und Beischrift des
H oh en pri esters des Amun luput, Sohn
Schoschenq I. aus der 22. Dynastie [ca.
920 v. Chr.)
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Abteilung Kairo 163
Abb. 28 Osiris in Abydos, Rekonstruktion
des im Schrein stehenden Kultbildes, des
sog. Osirisbettes (Aufsichfj
einige Eckakrotere wurden als verbliebene Fragmente eines hellenistischen
Hbrneraltars identifiziert, der urspriinglich im naheren Umfeld des Osiris-
grabes platziert gewesen ist.
Noch nicht abgeschlossen ist die Rekonstruktion des groBen Scrireines, der
vermutlich erst in der Spatantike mutwillig zerschlagen worden ist und von
dem erneut zahlreiche Fragmente geborgen wurden. Besondere Bedeutung
erhalt dieser Schrein, da in ihm offensichtlich einst das bereits von E. Ame-
lineau entdeckte Osirisbett, die Kultstatue, gestanden hat (Abb. 28).
Dass sich in hellenistischer und rdmischer Zeit im Bereich des Sethostem-
pels ein Orakel befunden hat, ist seit Langerem bekannt; Zeugnis geben ins-
besondere der Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus sowie antike Graf-
fiti im Tempel Sethos I. Anlass fiir intensivierte Untersuchungen zu Abydos
in der Antike und Spatantike waren die gezielten Fragestellungen zum Ende
und Nachleben von Kultorten im Kontext des Forschungsfeldes 2 inner-
halb des Forschungsclusters 4 des DAI. Neufunde, insbesondere Ostraka und
Graffiti aus dem nahen Umfeld des Osirisgrabes, weisen nun darauf hin, dass
auch dieses Areal in den bis in die Spatantike andauernden Kultablauf inte-
griert gewesen ist. Das damals bereits fast 2000Jahre alte Kultbild des Osi-
ris wurde anscheinend in der Art einer >Statuenreliquie< zu einer Orakelsta-
tue umfunktioniert.
Leitung des Projekts: U. Effland * Mitarbeiter und Mitarbeiterin-
nen: F. Barthel,J. Budka, A. Effland, S. Miiller, J. D. Preisigke, A. Rost,
J. Vieth • Abbildungsnachweis: J. Budka (Abb.26); DAI-KAI, F. Barthel
(Abb. 27); U. Effland (Abb. 28).
Dahschur
Das ca. 30km siidlich von Kairo gelegene Dahschur gehort mit seinen Pyra-
miden des Alten und Mittleren Reiches (um 2600—1700v. Chr.) zu den bedeu-
tenden Pyramidenfriedhofen Agyptens. In diesemjahr konzentrierten sich
die Arbeiten auf die Freilegung von Grabschachten aus dem Mittleren Reich
(um 1900 v. Chr.) westlich der Pyramide Amenemhets II. (Abb.29). Es han-
delt sich um eine von Nord nach Siid ausgerichtete Doppelreihe von 2X15
Grabschachten. Im Nordcn schlieBt sich rechtwinklig dazu cine nach Westen
verlaufende Doppel- bzw. Drei- bis Vierfachreihe mit unregelmafiig ange-
ordneten Schachten an. Die Tatsache, dass der Schachtkomplex parallel und
axial zum Pyramidenbezirk Amenemhets II. ausgerichtet ist, zeigt, dass er
in direkter Beziehung zu dieser Grabanlage steht.
Insgesamt sind zum gegenwartigen Zeitpunkt acht Schachte freigelegt
worden. Die Grabkammern waren alle beraubt. Trotzdem fanden sich zahl-
reiche Reste von Mumien, Bestattungen in holzernen Kastensargen, Karto-
■ * D O O OtlO
Abb. 29 Dahschur, schematische Umzeich-
nung nach dem Magnetogramm.
Schachtreihen des Mittleren Reiches
westlich des Pyramidenbezirks Amenem-
hets II.
f
A
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