Osiris in Abydos – Deutsches Archäologisches Institut-Jahresbericht 2009 more

in: Archäologischer Anzeiger 2010/1 Beiheft, 161-163

Archaologischer Anzeiger 2010/1 Beiheft Deutsches Archaologisches Institut JAHRESBERICHT 2 00 9 HirmerVerlag ■ Munchen ARCHAOLOGISCHER ANZEIGER • BEIHEFT die Zeitschrift erscheint seit 1889, das Beiheft mit dem Jahresbericht des DAI seit 2008 AA 2010/1 Beih. • VI, 426 Seiten mit 551 Abbildungen Herausgeber Deutsches Archaologisches Institut Zentrale Podbielskiallee 69-71 D-14195 Berlin www.dainst.org © 2010 Deutsches Archaologisches Institut / HirmerVerlag GmbH ISSN: 0003-8105 - ISBN: 978-3-7774-3071-3 Gesamtverantwortlkh: Redaktionan derWissenschaftlichen Abteilung des Deutschen Archaologischen Instituts in Berlin (www.dainst.org) Redaktion: Anja Ludwig, Berlin Layout und Satz: eScriptum GmbH & Co. KG • Publishing Services, Berlin (www.escriptum.de), nach Standard-Layout des Archaologischen Anzeigers von F217 Sailer/Sohn, Berlin (www.F217.de) Bildbearbeitung: Catrin Gerlach, Deutsches Archaologisches Institut, Zentrale Herstellung und Vertrieb: HirmerVerlag GmbH, Miinchen (www.hirmerverlag.de) Titelbilder: Nach Projekt-Bildern der Zentrale, 7 Abteilungen und 3 Kommissionen des DAI Abbildungen: Eine Einholung der Nutzungsrechte aller Darstellungen, fiir die die Projekte des DAI nicht die Rechteinhaber sind, wurde angestrengt. In Einzelfallen konnten Copyright-lnhaber nicht ausfindig gemacht werden bzw. erfolgte keine Riickmeldung auf diesbezugliche Anfragen. Wir mochten Sie bitten, in solchen Fallen einen entsprechenden Hinweis an die Redaktion des DAI (redaktion@dainst.de) zu senden, damit eine Einholung der Publikationserlaubnisschnellstmoglich noch vorgenommen werden kann. - Landerkarten: Weltkarte nach R. Stockli, E.Vermote, N. Saleous, R. Simmon and D. Herring (2005). The Blue Marble Next Generation - A true color earth dataset including seasonal dynamics from MODIS. Published by the NASA Earth Observatory. Corresponding author: rstockli@climate.gsfc.nasa.gov. - Flusse nach Global Runoff Data Centre [2007): GIS Layers of Major River Basins of the World. 1st edition. GRDC in the Bundesanstalt fur Gewasserkunde, 56068 Koblenz, Germany, http://grdc.bafg.de. - Landergrenzen nach Environmental Systems Research, Inc. (ESRI), 20050811, Countries: ESRI Data& Maps 2005, Environmental Systems Research Institute, Inc. [ESRI), Red lands, California, USA Erscheint auch als digi tale Version auf der Homepage des DAI [www.dainst.org) Alle Rechte, insbesondere das Recht der Ubersetzung in fremde Sprachen, vorbehalten. OhneausdrucklicheGenehmigung ist es auch nicht gestattet, dieses Buch oderTeiledarausauf photomechanischem Wege (Photokopie, Mikrokopie) zu vervielfaltigen oder unterVerwendung elektronischer Systeme zu verarbeiten und zu verbreiten. Printed and Bound in Italy Abteilung Kairo 161 Abb. 24 Abydos, Konigsfriedhof Umm el-Gaab. Grab des Konigs Djer,Turkisfigur Abb. 25 Abydos, Konigsfriedhof Umm el-Qaab. Privatstele einer Frau steckten im Boden noch Keramikfragmente und auch die Treppe des Mitt- leren Reiches in der Nordwestecke, imter der F. Petrie einige ImportgefaBe fand, ist mcht unmittelbar auf den Estrich der 1. Dynastie, sondern auf eine diinne Sandschicht gegriindet. Nach weiterem Abbau derHalden wurden die siidlichen Nebengraber voll- standig freigelegt und geleert (Abb. 23). Sie bestehen aus einer baulichen Ein- heit von ca. 16,50m x 4,08m GroBe mit 20Kammern, die in zwei von Ost nach West verlaufenden Reihen in etwa 5,65 m Abstand von der Konigskam- mer angelegt sind. Eine durchlaufende Mittelwand trennt die beiden Reihen von acht groBeren Kammern im Norden und zwolf kleineren Kammern im Siiden. Die Tiefe betragt durchweg ca. 1,45 m. Am Boden sind verschiedent- lich Reste von Holzsargen erhalten. Bei mehreren Kammern ist die Nord- wand ausgehackt worden, da der Platz fur den Sarg zu klein war. Die Eindeckung der Graber erfolgte mit Rundholzern, die auf der nordlichen beziehungsweise siidlichen Aufienwand auflagen und von dort die Kammern in Nord-Siid-Richtung zur tragenden Mittelwand iiber- spannten. Auf den Aufienmauern sind Lehmziegel reste von der Einmaue- rung der Balkenkdpfe erhalten. Als Deckschicht diente dariiber eine Lage Lehmziegel. Von den ostlichen Nebengrabern wurden die siidlichen 35 Kammern frei- gelegt und drei Kammern geleert. Sie sind in drei Reihen angeordnet, von denen die innere Reihe mit groBeren Kammern etwas hoher liegt als die bei- den auBeren Reihen. Auch hier sind noch Reste der Deckenfassung erhal- ten. Einige Kammerwande waren ausgehackt, um die Sarge aufnehmen zu kdnnen. In der Restfullung der Konigskammer, den Schuttiiberlagerungen und Fiillungen der Nebengraber fanden sich wie in den bisherigen Kampagnen grofie Mengen an Keramik, vor allem Weinkrugfragmente, Scherben von SteingefaBen, einige Siegelabrollungen und verschiedene Elfenbein- und Steinobjekte (Abb. 24) sowie weitere Fragmente vom Schrein des Osiris und Votivgaben fur Osiris. In der Umgebung des Grabes des Peribsen wurden westlich bzw. nord- und siidostlich weitere Abschnitte der originalen Wiistenoberflache von Flugsand und Schuttiiberlagerungen gereinigt. Im Westen kamen dabei noch einige Siegelabrollungen und etwas Keramik zu Tage, im Osten gab es nur verein- zelte Streufunde an Keramik. Im Siidosten, an den Auslaufern der Halden des Djer, wurde neben Keramik aus dem Grab des Djer auch eine kleine Pri- vatstele einer Frau gefunden (Abb. 25). Forderung: DFG * Leitung des Projekts: G. Dreyer • Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen: F. Barthel, A. Blobaum, K. Butt, R. Hartmann, U. Har- tung, A. Kohse, C. Knoop, I. Kohler, H. Kopp, R. Kuhn, E.-S. Lincke, M. Mahn, N. Marcinzik, P. Meyrath, S. Miiller, V. Miiller, A. Rost, M. Sahl- hof • Abbildungsnachweis: DAI-KAI (Abb. 22-25). Osiris in Abydos Im Rahmen des Forschungsclusters 4 ^Heiligtumer: Gestalt und Ritual. Kontinuitat und Veranderung-s des DAI wird die Nutzung der Nekro- pole von Umm el-Qaab als zentraler Kultort des Osiris untersucht, ins- besondere die kultische Kontinuitat vom ausgehenden Alten Reich (um 2200v.Chr.) bis zum friihen 6.Jh. n.Chr. Ziel ist die Rekonstruktion des bislang weitgehend unbekannten Kultgeschehens am Osirisgrab (Grab des Konigs Djer), insbesondere in Verbindung zu den umgebenden sakralen Bereichen und Anlagen. AA 2010/1, Beih 9ft 162 Jahresbericht 2009 des DAI Abb. 26 Osiris in Abydos, Ansicht der temporaren Keramiksteingarten am Osiris- grab. I mVordergrund dieFundstelleO-NN In Abstimmung mit den fortlaufenden Grabungen des DAI zur Unter- suchung der friihdynastischen Nutzung der Nekropole von Umm el-Qaab (zu den Arbeiten in Abydos s. auch hier S. 160. 161), lag ein Schwerpunkt des Projekts in der Fortsetzung der Dokumentation der zahlreichen osiria- nischen Funde und Befunde. Hierzu zahlt insbesondere die systematische Erfassung der wahrend der Grabung am Osirisgrab gelagerten Keramik- berge. Insgesamt wurden 40 573 diagnostische Scherben und vollstandige GefaBe bearbeitet (Abb. 26). Auf dieser Basis kann nun das Spektrum der Waren und Formen, vor allem hinsichtlich ihrer Haufigkeit und relati- ven Haufigkeit, verlasslich rekonstruiert werden. Die bislang angenom- mene Dominanz der sog. Spatzeitflaschen scheint iiberdenkenswert zu sein — teilweise wird das Repertoire von Biertopfen und -flaschen des spaten Neuen Reiches (urn HOOv. Chr.) und vor allem der 3. Zwischen- zeit (ca. 1000—750v.Chr.) dominiert. Es deutet sich an, dass ein GroBteil des Materials bereits aus der Libyerzeit vor der 25. Dynastie stammt (ca. 720—655 v. Chr.). Die 19. Dynastie ist ebenfalls besonders prominent ver- treten. Dariiber hinaus konnten zahlreiche bislang unbekannte Formen des Mittleren Reiches (um 1800v.Chr.) dokumentiert werden, die teil- weise gute Parallelen im Material aus dem Tempelkomplex Sesostris III. in Abydos-Siid finden. Als ausgesprochen ergiebig hat sich die Aufarbeitung der Archivmaterialien und Funde der fruheren Ausgraber E. Amelineau, F. Petrie und E. Naville erwiesen. Wahrend der Bearbeitung der beschrifteten Keramik des Neuen Reiches und der 3. Zwischenzeit (Abb. 27) konnten so erneut aus den Neu- funden der DAI-Grabung Anpassstiicke zu Fragmenten aus den alten Gra- bungen, welche sich heute in verschiedenen Sammlungen und Museen — besonders in Paris, Chateaudun, Chiddingston und London — befinden, identifiziert werden. Unter den zahlreichen Kleinfunden befindet sich auch ein sog. Osiris- beet, ein aus Lehm bestehender GefaBinhalt mit Abdriicken von Getreide- kornern. Des Weiteren konnte ein Schulterfragment einer Osirisfigur aus ungebranntem Lehm zugewiesen werden; mehrere ahnliche Figuren waren bereits friiher von E. Naville am Ende eines auf das Osirisgrab zufiihrenden Pro z ess ions weges gefunden worden. Mehrere Kalksteinblocke, insbesondere Abb. 27 Osiris in Abydos, Votivgefa (ifrag - ment mit Darstellung und Beischrift des H oh en pri esters des Amun luput, Sohn Schoschenq I. aus der 22. Dynastie [ca. 920 v. Chr.) AA 2010/1, Beihsft Abteilung Kairo 163 Abb. 28 Osiris in Abydos, Rekonstruktion des im Schrein stehenden Kultbildes, des sog. Osirisbettes (Aufsichfj einige Eckakrotere wurden als verbliebene Fragmente eines hellenistischen Hbrneraltars identifiziert, der urspriinglich im naheren Umfeld des Osiris- grabes platziert gewesen ist. Noch nicht abgeschlossen ist die Rekonstruktion des groBen Scrireines, der vermutlich erst in der Spatantike mutwillig zerschlagen worden ist und von dem erneut zahlreiche Fragmente geborgen wurden. Besondere Bedeutung erhalt dieser Schrein, da in ihm offensichtlich einst das bereits von E. Ame- lineau entdeckte Osirisbett, die Kultstatue, gestanden hat (Abb. 28). Dass sich in hellenistischer und rdmischer Zeit im Bereich des Sethostem- pels ein Orakel befunden hat, ist seit Langerem bekannt; Zeugnis geben ins- besondere der Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus sowie antike Graf- fiti im Tempel Sethos I. Anlass fiir intensivierte Untersuchungen zu Abydos in der Antike und Spatantike waren die gezielten Fragestellungen zum Ende und Nachleben von Kultorten im Kontext des Forschungsfeldes 2 inner- halb des Forschungsclusters 4 des DAI. Neufunde, insbesondere Ostraka und Graffiti aus dem nahen Umfeld des Osirisgrabes, weisen nun darauf hin, dass auch dieses Areal in den bis in die Spatantike andauernden Kultablauf inte- griert gewesen ist. Das damals bereits fast 2000Jahre alte Kultbild des Osi- ris wurde anscheinend in der Art einer >Statuenreliquie< zu einer Orakelsta- tue umfunktioniert. Leitung des Projekts: U. Effland * Mitarbeiter und Mitarbeiterin- nen: F. Barthel,J. Budka, A. Effland, S. Miiller, J. D. Preisigke, A. Rost, J. Vieth • Abbildungsnachweis: J. Budka (Abb.26); DAI-KAI, F. Barthel (Abb. 27); U. Effland (Abb. 28). Dahschur Das ca. 30km siidlich von Kairo gelegene Dahschur gehort mit seinen Pyra- miden des Alten und Mittleren Reiches (um 2600—1700v. Chr.) zu den bedeu- tenden Pyramidenfriedhofen Agyptens. In diesemjahr konzentrierten sich die Arbeiten auf die Freilegung von Grabschachten aus dem Mittleren Reich (um 1900 v. Chr.) westlich der Pyramide Amenemhets II. (Abb.29). Es han- delt sich um eine von Nord nach Siid ausgerichtete Doppelreihe von 2X15 Grabschachten. Im Nordcn schlieBt sich rechtwinklig dazu cine nach Westen verlaufende Doppel- bzw. Drei- bis Vierfachreihe mit unregelmafiig ange- ordneten Schachten an. Die Tatsache, dass der Schachtkomplex parallel und axial zum Pyramidenbezirk Amenemhets II. ausgerichtet ist, zeigt, dass er in direkter Beziehung zu dieser Grabanlage steht. Insgesamt sind zum gegenwartigen Zeitpunkt acht Schachte freigelegt worden. Die Grabkammern waren alle beraubt. Trotzdem fanden sich zahl- reiche Reste von Mumien, Bestattungen in holzernen Kastensargen, Karto- ■ * D O O OtlO Abb. 29 Dahschur, schematische Umzeich- nung nach dem Magnetogramm. Schachtreihen des Mittleren Reiches westlich des Pyramidenbezirks Amenem- hets II. f A AA 2010/1, Beih 9ft
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