Inschriften des ptolemäerzeitlichen Tempels von Edfu morein: A. Effland, M. von Falck, J.P. Graeff (Hgg.), "Nunmehr ein offenes Buch..." - Das Edfu-Projekt. Herausgegeben zum 160. Geburtstag des Marquis Maxence de Rochemonteix (1849-1891), Hamburg 2009, 7-33 (with M. von Falck & J.-P. Graeff) |
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Informationsbroschüre zum EDFU-Projekt der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
„Nunmehr ein offenes Buch…“ – Das Edfu-Projekt – Herausgegeben zum 160. Geburtstag des Marquis Maxence de Rochemonteix (1849-1891)
Edfu-Projekt
Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
Frédéric Josephe Maxence René de Chalvet Marquis de Rochemonteix (1849-1891)
Andreas Effland, Jan-Peter Graeff, Martin von Falck
„Nunmehr ein offenes Buch …“
- Das Edfu-Projekt Herausgegeben zum 160. Geburtstag des Marquis Maxence de Rochemonteix (1849-1891)
Informationsbroschüre zum EDFU-Projekt der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen
Hamburg 2009
Das Edfu-Projekt INSCHRIFTEN DES PTOLEMÄERZEITLICHEN TEMPELS VON EDFU DAS EDFU-PROJEKT von Andreas Effland, Martin von Falck, Jan-Peter Graeff In Oberägypten, auf halbem Wege zwischen Luxor und Assuan, liegt auf dem westlichen Nilufer die Stadt Edfu, die ehemalige Hauptstadt des zweiten oberägyptischen Gaues. Bekannt ist Edfu insbesondere durch den großen Tempel aus der Ptolemäerzeit, der zu den eindrucksvollsten Sakralbauten Ägyptens zählt und als der wohl besterhaltene Tempel der antiken Welt gilt. Dieser Tempel war dem falkengestaltigen Gott Horus geweiht. Neben ihm fanden jedoch zahlreiche weitere Gottheiten Verehrung, unter ihnen seine Gemahlin Hathor von Dendara und Harsomtus, der Sohn der Hathor und des Horus. Am 23. August des Jahres 237 v.Chr., während der Regierungszeit Ptolemaios III. Euergetes I., wurde mit dem Bau des Tempels begonnen. Die um das Jahr 100 v.Chr. angebrachte Bauinschrift an der Außenseite der Umfassungsmauer informiert uns über diesen Tag und über den Verlauf der Arbeiten: „Dieser schöne Tag im 10. [Regierungsjahr], (Tag) 7 des Monats Epiphi zur Zeit der Majestät [des Sohnes] des Re (Ptolemaios III. Euergetes I.)| war der Tag des Senut-Festes, als man die Ausmaße (des Baues) auf dem Erdboden festlegte, (es) war das erste aller Senut-Feste anläßlich des Strickespannens bei der Gründung des Großen-Sitzes-des-ReHarachte (Edfu), der Gründung des Thronsitzes-des-Schützers-seines-Vaters (Edfu). ... Die Mauern in seinem Inneren wurden aufs trefflichste in Relief dekoriert mit der Titulatur Seiner Majestät, den Figuren der Götter und den Bildern der Göttinnen sowie mit all der Pracht des Herrlichkeit-Schaffenden (Edfu). (Edfou VII, 5, 7 ff.) 7
Zum 160. Geburtstag des Marquis Maxence de Rochemonteix
Der Pylon des Tempels von Edfu Nach einer Bauzeit von 180 Jahren waren am 5. Dezember 57 v.Chr. (im 25. Regierungsjahr Ptolemaios XII. Neos Dionysos) die Arbeiten am Tempel mit der Fertigstellung der Dekoration abgeschlossen. Wie lange der Kult der Gottheiten von Edfu bestanden hat entzieht sich unserer Kenntnis. Theodosius I. (379-395 n.Chr.), Kaiser im Osten des römischen Reiches und damit auch Herrscher über Ägypten, erhob 391 n.Chr. das Christentum zur Staatsreligion und die „heidnischen Kulte“ erloschen nach und nach. Der Tempel, bzw. einige Bereiche des Edfu-Tempels wurden in koptischer Zeit als Kirche und Kapelle genutzt.
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Das Edfu-Projekt
Koptisches Graffito in der östlichen Dachkapelle Zur Entdeckungsgeschichte Edfus Bereits aus arabischen Quellen stammen interessante Nachrichten zum Gebiet von Edfu. Archäologisch von Bedeutung ist z.B. die Überlieferung bei al-Maqrizi (gest. 1441), daß etwa 1300/1301 eine thronende Frauenstatue bei Edfu ausgegraben worden sei, die eine griechische Inschrift trug. Ein arabisches „Schatzsucherhandbuch“2, vermutlich aus der frühen Mamlukenzeit, verspricht reiche Beute in der am westlichen Wüstenrand gelegenen Nekropole. Eine wichtige Route der maghrebinischen Mekka-Pilger führte von Kairo nilaufwärts über Edfu nach Aydhab an das Rote Meer.3 Möglicherweise war es
2 Kitab Al-Dur Al-Maknuz wa Al-Sir Al Maczuz fi Al-Dalayal wa Al-Khabaya wa Al-Dafa’n wa Al3 The Travels of Ibn Battutah, S. 23 f.; COUYAT, in: BIFAO 8, 1911, S. 135 ff.
Kunuz.
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Zum 160. Geburtstag des Marquis Maxence de Rochemonteix ein solcher Pilger, der zwischen dem 10 und 11. Jhdt. n.Chr. auf der Aussenseite der östlichen Umfassungsmauer ein arabisches Graffito anbrachte, das die Bitte nach einer guten Heimkehr aus der Fremde formuliert. Der Anbringungsort, das 3. Register in etwa 6 m Höhe, läßt darauf schließen, daß zur Zeit der Anbringung bereits aufgetürmter Schutt oder Häuser das Tempelhaus umgaben.4 Arabische Quellen erwähnen Edfu vor allem, weil der Ort einer der Ausgangspunkte für eine Durchquerung der Ostwüste zur Küste des Roten Meeres war. Die süd-östlich verlaufende Route endete in der Hafen- und Handelsstadt Aydhab, die der Ausgangspunkt für die Seereise nach Jiddah an der arabischen Küste war. Die Wüstenverbindung, über die das Rote Meer von Edfu aus in ca. 15 Tagen erreicht werden konnte, diente als Versorgungsroute für die blühende Stadt Aydhab sowie als Reisestrecke für Kaufleute und Mekkapilger. Abu al-Hasan ash-Shadhdhuli (geb. 1196), fuhr 1258 während einer Pilgerreise nach Mekka von Kairo aus das Niltal herauf, um in Edfu den Weg zum Roten Meer einzuschlagen. Ibn Battuta passierte Edfu von Kairo kommend 1326 auf dem Weg nach Aydhab sowie 1332 auf dem umgekehrten Weg.5 Den Horustempel von Edfu oder andere antike Monumente der Stadt erwähnen beide Reisende nicht.
4 KURTH, The Temple of Edfu, S. 36 und Abb. 23; ITE I/2, S. 675. 5 Ibn Battuta, Travels in Asia and Africa, 1325-1354, hrsg. von H.A.R. Gibb, London 1925, S.
53f. u. 123.
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Das Edfu-Projekt
Arabisches Graffito, 10.-11. Jhdt., im 3. Register der östlichen Umfassungsmauer Ein namentlich nicht bekannter Venezianer war jedoch der erste Europäer, der im Spätsommer des Jahres 1589 Ägypten bereiste und auch den Tempel des Gottes Horus besuchte. Er erblickte den Pylonbau und beschrieb ihn als „den besterhaltenen, den er bisher gesehen hat“, dazu „einen Hof und einen Säulensaal mit insgesamt 50 Säulen“, im Hof „ein weiteres Tor, durch das man den Tempel betrat“.6
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Voyages en Egypte des années 1589, 1590 et 1591, S. 109.
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Blick vom östlichen Pylon auf den Hof und den Pronaos Das Tempelinnere zu betreten war ihm wegen des Schuttes und des Sandes, der mittlerweile den Zugang versperrt hatte, nicht vergönnt. Ebensowenig, wie dem französischen Jesuiten Claude Sicard, der Edfu 1720 besuchte und eine ausführliche Beschreibung des Tempels und des Mammisis lieferte.7 Auch Nicolas Granger, ein französischer Arzt, stattete Edfu 1731 einen Besuch ab, ohne den Tempel von innen gesehen zu haben: „Das Dort Utfu ist aus den Steinhaufen der Stadt Apollinopolis gebaut. Es sind allda noch die Ueberbleibsel eines Tempels, in welchen man nicht hinein gehen kansic, so sehr ist er mit Erde und Schutt angefüllet“; die gleiche Erfahrung machten der im holsteinischen Glückstadt geborene dänische Marinekapitän Frederik Ludwig Norden (1738), der
7 SICARD, Œuvres III, BdE 85, 1982, S. 23 ff.
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Das Edfu-Projekt Engländer Richard Pococke (1737-8) sowie der englische Orientreisende William George Browne (1792). Erst während der französischen Expedition nach Ägypten drangen die ersten Europäer 1799 in den Tempel ein. „Ein Teil der Einwohner des Dorfes hatte seine Wohnungen im Inneren des Tempelhofes aufgeschlagen“8 und auf dem Dach standen weitere Hütten. Dem Wissenschaftler Edmé François Jomard, der die napoleonische Armee begleitete, gelang es allerdings durch die Decke des Tempeldaches ins Innere zu gelangen, da „… die Öffnung jedoch von Ziegelmauern verdeckt war, mußte gewaltsam unter dem Geschrei der Frauen und Kinder eingedrungen werden. Eine Kerze im Mund und ein Maß in der Hand, stieg ich durch ein körpergroßes Loch im Boden hinab, um in einen Saal voller Fledermäuse zu gelangen, der nur noch anderthalb Meter hoch war. Durch eine weitere erbrochene Öffnung drang ich von dort in den zweiten Säulengang ein. Dieser war bis über die Kapitelle verschüttet“.9 Die französischen Soldaten hinterließen zahlreiche Graffiti vornehmlich auf dem Dach der Pylontürme.10 Ein besonders interessantes Graffito stammt von dem Wissenschaftler Emmanuel-Jean l’Evangéliste Le Gentil de Quélern (1775-1843), der die militärische Expedition Napoleons begleitete, zahlreiche Karten und Stiche für die Description de l’Égypte anfertigte und den Tempel von Edfu, soweit möglich, vermessen hat.
8 DENON, Mit Napoleon in Ägypten, S. 217. 9 SAUNERON, Die letzten Tempel Ägyptens, S. 15. 10 KURTH, The Temple of Edfu, S. 38 f. und Abb. 24.
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Französisches Graffito, Emmanuel Le Gentil, 1799 Nach der französischen Expedition mehren sich die Nachrichten und Reiseberichte, welche Edfu mehr oder weniger ausführlich erwähnen und beschreiben. Zu den interessantesten zählt der Bericht von Giovanni Batista Belzoni, der 1815 in den Tempel eindringen kann und neben einer Beschreibung des Tempels, des Mammisis und des Dorfes, auch das Südtor (Temenos) und einen weiteren kleinen Tempel mit einer heute verlorenen Sphingenallee erwähnt: „Noch weiter südlich befindet sich ein kleiner Tempel, von Reisenden zumeist unbemerkt, welcher eine Sphingenallee hat, die in gerader Linie auf den großen Tempel zuläuft. Die Sphingen, von denen ich einige vom umliegenden Sand befreite, haben einen Löwenkörper und einen weiblichen Kopf in Lebensgröße“11.
11 BELZONI, Recent Discoveries, S. 56 ff.
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Das Edfu-Projekt Auch Heinrich Carl Menu Baron von Minutoli spricht diese Sphingenallee an: „Nach meiner Rückkehr aus Ober-Aegypten stieß Herr Ripaut (eigtl. Rifaud), welcher für Herrn Drovetti hier Nachgrabungen leitete, auf eine Allee von Sphinxen, die er Auftrag erhalten hat, ganz zu Tage zu fördern. Der majestätische mit Säulen umgebene Hof, in welchen man durch jene Tempelflügel gelangt, enthält die Wohnungen von etwa dreißig Mohamedaner- und Kopten-Familien, und ist durch Mauern und hölzerne Verschläge entstellt. Handwerker haben hier ihre Werkstätten, besonders wird viel irdenes Geschirr verfertigt. Der Portikus des Tempels, von achtzehn Säulen in drei Reihen, ist zum Theil bis an die Knäufe verschüttet; die innern Gemächer, welche zu Vorrathskammern dienen, waren mir unzugänglich“12.
Der Tempel vor 1860. Die Wohnhäuser auf dem Dach des Pronaos sind hier noch gut zu erkennen
12 VON MINUTOLI, Reise zum Tempel des Jupiter Ammon, S. 280.
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Otto Friedrich von Richter schrieb in seinem Tagebuch am 26. Mai 1815 seine Eindrücke auf folgende Weise nieder: „Wir besuchten zuerst das ungeheuere Propylon des Tempels; es ist von unten vergraben, sonst wohl erhalten. Es enthält 10 Zimmer übereinander; zu jeder führt eine Treppe, die sich um einen viereckigen Pfeiler dreht, und bis zum ersten Absatz 9, bis zum Zimmer 6 Stufen hat, die kaum ein Par Zoll hoch sind. Vom vierten Stocke kömmt man in einen offenen Gang hinter dem Gesimse des Thors, der beide Thürme verbindet. Das 10te Zimmer hat keine Decke, sondern nur ein Brustwehr mit Öffnungen, und von diesem steigt man noch auf 9 Stufen ganz zur Plattforme hinan. Die Thüren der Thürme sind nicht etwa am Boden, sondern auf dem Dache des daran stoßenden Portikus, der mit seinen verschiedenen Capitälern und zahllosen Hieroglyphen den Hof umgiebt. Die Figuren des Propylon, relief mit vertieften Umrißen, werden nach unten zu immer colossaler, welches dem Auge durch die Nachahmung der perspectivischen Verkleinerung, die Größe des Gebäudes noch ansehnlicher erscheinen lässt, und wahrscheinlich auf diese optische Täuschung berechnet war. Auf der Außenseite zu beiden Seiten des Thors, sind vier länglich viereckige Nischen inwendig mit Hieroglyphen, und neben denselben nehmen an jeder Seite zwei ungeheuere Figuren in relief mit vertieften Umrißen fast die ganze Breite des Propylon ein. Ich unterschied eine derselben, die im Hauen begriffen war; eine andre hatte einen Sperberflügel auf dem Kopfe. Um den großen Pronaos und um den Sekos läuft eine etwas niedrigere Ringmauer; mit einer Kornische auf beiden Seiten mit Hieroglyphen bedeckt. Der Sekos ist ganz vergraben. Der Pronaos hat lauter verschiedene Kapitäler, eines schöner als andre.“13 Die meisten Reisenotizen erwähnen dabei jedoch auch die noch immer vorhandenen und den Besuch des Tempels behindernden Hütten, wie z. B. der Bericht Gustave Flauberts, der mit dem Journalisten Maxim Du Camp 1850
13 VON RICHTER, S. 46 ff, n. 81.
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Das Edfu-Projekt Edfu besuchte: „Das Dorf umgibt den gigantischen Tempel und ist teilweise sogar an ihm emporgeklettert“14. Den verschütteten Tempel mit den ihn bevölkernden Hütten zeigen auch die vielen schönen Zeichnungen des ausgehenden 18. und des 19. Jahrhunderts, wie z.B. in Frederik Ludwig Nordens „Travels in Egypt and Nubia“15, Vivant Denons „Voyage dans la Basse et la Haute Égypte“ 16, die „Description de l'Égypte“17 oder die Bilder von David Roberts18. Glücklicherweise existieren auch frühe Photographien, die den Tempel in diesem Zustand dokumentieren, wie z.B. die von Louis de Clercq (ca. 1859), William Talbot oder Francis Frith (1856-59). In diesem Zusammenhang ist es interessant anzumerken, daß schon die frühesten Pioniere der Photographie den Wert ihrer Arbeiten für die Wissenschaft und auch für die Ägyptologie erkannten (zunächst jedoch etwas überschätzten): „Um die Millionen Hieroglyphen zu kopieren, die die großen Monumente von Theben, von Memphis, von Karnak bedecken, wären Jahrzehnte und Legionen von Zeichnern notwendig. Mit dem Daguerrotyp kann ein einziger Mann diese ungeheure Arbeit ausführen“.19
14 FLAUBERT, Reise in den Orient, S. 147.
1751, vol. II, pl. CXVIII. 1802, pl. 56 ff. 17 1809-22, vol. I, pl. 48 ff. 18 Vom 26.10. und 22.-24.11.1838. 19 F. ARAGO, in: Comptes Rendus des Séances de l'Académie des Sciences, Sitzung vom 19.08.1839, zitiert nach G. FREUND, Photographie und Gesellschaft, München 1974, S. 31, mit n. 27.
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Aufrichten der Obelisken, Szene auf der Nordseite des östlichen Pylonturmes nach Lepsius, Denkmäler, Abth. IV, Bl. 48 als Beispiel für die Kopiertätigkeit früher Ägyptologen Der Beginn der wissenschaftlichen Arbeiten Der verschüttete Zustand erschwerte es aber nicht nur den Reisenden, den Tempel zu besuchen, sondern setzte auch der wissenschaftlichen Untersuchung recht enge Grenzen. Als Richard Lepsius, der Leiter der preußischen Expedition nach Ägypten 1842-45, die in die Umfassungsmauer eingravierte „Besitzurkunde“ des Tempels entdeckte, konnte er lediglich die
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Das Edfu-Projekt ersten Abschnitte dieses längeren Textes „nach Wegräumung hoher Schutthügel“ kopieren.20 Erst Auguste Mariette gelang es, indem er den Tempel vom Schutt und Sand sowie von den noch immer darin stehenden Häusern befreien ließ (ab 1860), auch die Innenräume wieder zugänglich zu machen. Geradezu euphorisch berichtet er: „Heute ist Edfu wieder in seiner ehemaligen Herrlichkeit erstanden. Ich habe die vierundsechzig Häuser auf dem Flachdach niederreißen lassen, ebenso achtundzwanzig weitere Behausungen, welche sich zu nah an der Außenmauer des Tempels befanden. ... Das Tempelhaus und der schöne davorliegende Hof sind bereits bis zum antiken Boden freigelegt; die Wegschaffung des Materials, welches den äußeren Wehrgang verstopfte, ist auch schon weit fortgeschritten. Augenblicklich wird das Gelände vor der Pylonfront freigemacht. ... Der Vizekönig hat seine Aufgabe, Edfu der Wissenschaft zugänglich zu machen, sehr ernst genommen. ... Die Wissenschaft gewinnt mit der Freilegung Edfus sämtlichen Reichtum, den an die vierzig Säle voller Legenden geben können, ... Edfu ist nunmehr ein offenes Buch mit mehreren Hunderten von Blättern, in dem die Welt dank dem Vizekönig jetzt lesen darf und kann“21.
20 K. R. LEPSIUS, Über eine hieroglyphische Inschrift am Tempel von Edfu (Appollinopolis Magna) in welcher der Besitz des Tempels an Ländereien unter der Regierung Ptolemaeus XI. Alexander I. verzeichnet ist, Berlin 1856; cf. auch LEPSIUS, Denkmäler, Text Bd. IV, S. 56 ff. 21 Zitiert nach dem Brief Mariettes an E. de Rougé, Sur les résultats des fouilles entreprises par ordre du Vice-Roi d'Égypte, in: Revue Archéologique, NS vol. II, 1860, S. 33 f.; cf. SAUNERON, op.cit., S. 15 f.
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Zum 160. Geburtstag des Marquis Maxence de Rochemonteix Auch der französische Ägyptologe Emmanuel de Rougé war ob der neuen Möglichkeiten enthusiastisch: „Solch eine Fülle religiöser Legenden, wie sie die Wände von Edfu bergen, machen alleine ein vollständiges Textbuch ägyptischer Mythologie aus“22. Es war jedoch keinesfalls jedermanns Sache, in diesem „offenen Buch“ zu lesen. Bald nach der Freilegung wurden einige größere Texteinheiten von verschiedenen Ägyptologen veröffentlicht. Die Engländerin Amelia Edwards, Gründerin der Egypt Exploration Society und des Department of Egyptology am University College London, die 1873-74 Syrien und Ägypten bereiste, schrieb dazu: „Vor zehn Jahren waren vom großen Tempel von Edfu bis auf die Spitzen des Pylonen nichts sichtbar. Der Rest des Bauwerkes war den Blicken entzogen als hätte sich die Erde geöffnet und alles verschlungen. Die Höfe waren mit Schutt angefüllt. Die reliefierten Kammern im Inneren waren unter 40 Fuß Erde begraben. Die Dachterrasse war ein Gewirr eng aneinander gedrängter Hütten, in denen es von Menschen, Geflügel, Hunden, ... Eseln und Ungeziefer wimmelte, bis dank der großzügigen Unterstützung des gegenwärtigen Herrschers von Ägypten Monsieur Mariette diese Augias-Ställe säubern konnte.“23 Und: „Keine große Sammlung wie Mariettes ‚Denderah' ist bis jetzt publiziert worden; aber hier und da sind einige unternehmungslustige Ägyptologen, wie Monsieur Naville oder Monsieur Jacques de Rougé, für eine Weile hinabgestiegen in die Tiefen der Minen von Edfu und haben so viel kostbare Erze heraufgeschafft wie sie nur tragen konnten. Einige singuläre und äußerst interessante Details sind so ans Licht gebracht worden24“.
22 E. DE ROUGÉ, in: Revue Archéologique, NS vol. X, 1864, 63. 23 A. EDWARDS, A Thousand Miles, 400 f. 24 A. EDWARDS, op.cit., 403.
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Das Edfu-Projekt
Die Ostwand der inneren Umfassungsmauer und die östliche Außenwand des Tempelhauses von Norden gesehen. Die Wände geben einen Eindruck von der Textmenge 21
Zum 160. Geburtstag des Marquis Maxence de Rochemonteix
Die wissenschaftliche Arbeit an den Texten und der Dekoration des Tempels von Edfu bald nach dieser Freilegung und einige größere Texteinheiten wurden recht rasch veröffentlicht. Unter den Verfassern befinden sich Ägyptologen wie Ernst von Bergmann, Heinrich Brugsch, Johannes Dümichen, Edouard Naville, Karl Piehl und Jacques de Rougé. Aber erst 1876 begann die systematische Aufnahme und Abschrift der Hieroglyphen und der Dekoration, teilweise unter äußerst ungünstigen Arbeitsbedingungen.25 Maxence de Rochemonteix wurde mit dieser anstrengenden Arbeit betraut: „Edfu ist sehr hoch; das Opernglas ermüdet meine Augen, die Leitern meine Beine, die Hitze mein Nervensystem ...“. Es war ihm allerdings nicht vergönnt, seine Arbeit zu vollenden. An den Folgen einer Krankheit starb er 1891 im Alter von nur 42 Jahren. Sein Nachfolger wurde Émile Gaston Chassinat,26 der die Abschriften der Texte des Tempels und des Mammisis veröffentlichte. Die Gesamtpublikation umfaßt 14 Bände, acht Textbände mit ca. 3.000 Seiten welche die hieroglyphischen Texte in Drucktypen wiedergeben, zwei Bände mit Strichzeichnungen sowie vier Bände mit teilweise exzellenten Photographien27. Ein 15. Band mit Texten und Darstellungen, deren Aufnahme von Maxence de Rochemonteix vergessen
25 Cf. SAUNERON, op.cit., 16 ff.; A. EFFLAND, in: Kemet 6,4, 1997, 54 f. 26 Cf. F. DAUMAS, in: ASAE 51, 1951, 539 f.; 545; Brief von Maspero an A. Edwards vom 07.07.1890, in: JEA 33, 1947, 87, Nr. 66. 27 M. DE ROCHEMONTEIX, Le temple d'Edfou, tome I, 1897; É. CHASSINAT und M. DE ROCHEMONTEIX, tome II und III, 1918 und 1928; CHASSINAT, tome IV-XIV, 1929-1934.
22
Das Edfu-Projekt worden war, erschien mit weiteren Photographien 1985 von Sylvie Cauville und Didier Devauchelle. Die beiden ersten Textbände wurden in einer revidierten Auflage ebenfalls von Cauville und Devauchelle zwischen 1984-1990 herausgegeben. Die Inschriften des Mammisi von Edfu wurden von Chassinat 1939 publiziert.
Eine Seite aus Chassinats Textpublikation mit Korrekturen des EdfuProjektes
Erst nach den Basisarbeiten durch Chassinat wurde eine wissenschaftliche Bearbeitung der Inschriften überhaupt möglich. Bis ca. 1970 waren jedoch lediglich etwa 10-15 % der Edfu-Texte in unterschiedlichen Sprachen und unterschiedlicher Qualität bearbeitet worden.
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Zum 160. Geburtstag des Marquis Maxence de Rochemonteix Die Gründung des Edfu-Projektes Die Inschriften des Tempels von Edfu zählen nach Umfang und Inhalt zu den wichtigsten Quellen aus der Zeit der Ptolemäerherrschaft in Ägypten. Sie geben eine überaus reiche Vielfalt von Informationen, unter denen diejenigen zur Religion dominieren, die aber auch die politische Geschichte, die Verwaltung und vieles andere mehr betreffen. Außerdem haben die Inschriften nicht nur für die Zeit eine Bedeutung, in der sie niedergeschrieben wurden, denn in ihnen wird u. a. auch Gedankengut tradiert, das bis in die ältesten Zeiten pharaonischer Geschichte hinabreicht. Dies ist abzulesen an den zahlreichen Zitaten aus den Edfu-Texten innerhalb von Untersuchungen, die sich mit Fragestellungen und Problemen der vorptolemäischen Geschichte Ägyptens beschäftigen; die Edfu-Texte werden dabei herangezogen zum Verständnis älterer Quellen, zur Bestätigung einer Interpretation oder zum Kontrast, um geänderte Verhältnisse oder gar eine Entwicklung aufzuzeigen. Wenn man nun den wissenschaftlichen Anspruch der bestmöglichen Materialausschöpfung anlegt, dann mußte festgestellt werden, daß die schon seit Jahrzehnten in hieroglyphischer Abschrift vorliegenden Edfu-Texte bislang kaum eine ihrer Bedeutung entsprechende Bearbeitung erfahren hatten. Und doch bietet die ungeheure Textmasse die Gewähr dafür, daß sich die meisten sprachlichen und die überwiegende Anzahl der inhaltlich-sachlichen Probleme durch die Erschließung der eigenen, edfu-internen Parallelen lösen lassen. Im Jahre 1986 begründete Dieter Kurth ein Langzeitprojekt, das sich der philologischen Gesamtbearbeitung der Inschriften des Tempels von Edfu widmet. Anstoß zur Begründung des Projekts war die schmerzliche Erfahrung, daß Parallelen zu Textstellen und Inhalten in dem riesigen Textmaterial nahezu verloren sind, will man nicht wegen jedes einzelnen Problems erneut die 3.000 24
Das Edfu-Projekt publizierten hieroglyphischen Seiten durchsehen. Damit muß praktisch jeder Forscher für seine Fragestellung mit der Durcharbeitung der Texte von vorne beginnen, will er über die in den bisherigen Untersuchungen gesammelten Informationen hinausgelangen.
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Zum 160. Geburtstag des Marquis Maxence de Rochemonteix Allgemeine Zielsetzung des Edfu-Projekts Das Hauptziel des Edfu-Projektes ist deshalb, eine in sich geschlossene, verläßliche Gesamtübersetzung aller Inschriften des Tempels von Edfu anzufertigen, welche auf einer soliden philologischen Basis beruht. Hinzugezogen werden alle greifbaren internen Parallelen, die gesamte erfasste textrelevante Sekundärliteratur und die Dekorationssystematik. Ausführliche analytische Indizes zu verschiedenen Sachbereichen, die auch Vertretern von Nachbardisziplinen einen raschen Zugriff auf das reiche Textmaterial ermöglichen, sowie eine Grammatik der Tempelinschriften der griechischrömischen Zeit sollen das Werk abrunden. Bis zum Ende des Jahres 2001 ist das Edfu-Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziert und betreut worden. Seit Anfang 2002 gehört das Projekt zum Programm der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Die Arbeitsstelle selbst ist nach wie vor in Räumlichkeiten der Universität Hamburg beheimatet.
Zur Methodik des Edfu-Projekts Bei den Inschriften des Tempels von Edfu handelt es sich um ein zusammenhängendes Textcorpus, dessen viele Einzelelemente erst nach Kenntnis des Gesamtmaterials beurteilt werden können. In einer ersten Phase wurden daher neben der Arbeit an der Vorübersetzung folgende Einträge aufgenommen.
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Formeln (wiederkehrende gleiche oder synonyme Aussagen, eingebettet in wechselnde Kontexte), 26
Das Edfu-Projekt
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Wörter (neue Schreibungen und Bedeutungen), Götter und Götterepitheta (oft „sprechende“ Beinamen der Götter), Ortsnamen, Materialien für eine Grammatik Photos (möglichst vieler Inschriften, die die Verläßlichkeit der Textwiedergabe verbessern sollen) und publizierte Sekundärliteratur Ägyptologie). (vorhandenes Wissen der
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Die vorübersetzten Texte sind in eine Datenbank eingespeist worden, so daß sie für die corpusinterne Recherche jederzeit zur Verfügung stehen.
Die Überprüfung der Originaltexte Anhand der bis dato gesammelten Photographien stellte sich heraus, daß die Chassinat-Publikation weitaus mehr Fehler enthielt als zunächst zu erwarten war, darunter auch in großer Zahl solche, die eine Übersetzung und ein solides Textverständnis unmöglich machten. Was Chassinat ohne größeren Aufwand an technischen Hilfsmitteln geleistet hat, kann nicht genug bewundert werden, und es sei betont, daß seine Textwiedergabe diejenige all seiner Vorgänger bei weitem übertrifft. Die relativ hohe Fehlerquote zwang jedoch zur Durchführung epigraphischer Kampagnen am Tempel von Edfu, um eine letztlich verläßliche Textgrundlage zu erhalten.
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Zum 160. Geburtstag des Marquis Maxence de Rochemonteix
Kollationierungsarbeit im westlichen Umgang zwischen innerer Umfassungsmauer und Tempelhaus
Bisherige Ergebnisse Die Übersetzung der Inschriften des Pylonen (Edfou VIII), mit Umschrift und Kommentar wurde 1998, die der Inschriften der Außenseite der Umfassungsmauer (Edfou VII), darunter etliche von Chassinat während seiner Aufnahme vergessene, bislang unpublizierte Texte, 2004 publiziert. Außerdem sind alle Inschriften der inneren Umfassungsmauer sowie diejenigen des Hofes und der Säulen des Hofes in Vorübersetzung abgeschlossen. Während bislang sieben Kampagnen am Edfu-Tempel (1995-2005) wurden ausgewählte
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Das Edfu-Projekt Inschriftenpassagen der Bände Edfou IV-VII sowie der gesamte Band VIII kollationiert. Insbesondere an den höher gelegenen sowie an den beschädigten Stellen sind zahlreiche Zeichen und Textpassagen der Publikation von Chassinat zu korrigieren und zu ergänzen. So enthielt der erste Übersetzungsband (ITE I/1) 40 Seiten hieroglyphische Korrekturen, der zweite (ITE I/2) 48 Seiten Korrekturen zu Chassinat. Ein Band mit neu erstellten Strichzeichnungen, die Chassinat ursprünglich vorgesehen hatte, aber nicht mehr publizieren konnte, ist gerade zum Druck eingereicht. Der erste Teil der Grammatik der Tempelinschriften der griechisch-römischen Zeit, der das Schriftsystem und die Phonetik behandelt sowie eine umfangreiche Zeichenliste enthält, liegt seit 2007 vor. Der zweite, abschließende GrammatikBand wurde 2008 fertiggestellt. Die Ritualszenen Ritualszenen, in denen König und Gottheiten einander gegenübertreten, bilden das Gros der Tempeldekoration. Sie passen sich inhaltlich wie formal verschiedenen Kontexten an, wobei Gabe oder Handlung des Königs mit einem bestimmten Anliegen korrespondieren. So wird die hier abgebildete Szene folgendermaßen bezeichnet: „Das Sistrum erglänzen lassen.“
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Zum 160. Geburtstag des Marquis Maxence de Rochemonteix
Sistrum-Szene im 2. Register der Westwand der äußeren Umfassungsmauer mit markierten Textstellen Der König spricht (A): „Dein Sistrum für dich, du Mächtige mit der großen Flamme, Leuchtende, das (Sistrum, welches) dir deine Wut vertreibt.“ Das vom König genannte Handlungsziel, die Besänftigung der zornigen Göttin, wird in der königlichen Randzeile näher ausgeführt (B): „... öPtol. IX.Ä ..., er ergreift das Naos-Sistrum, packt das Bügel-Sistrum und vertreibt den Ärger vom Auge-des-Re (Hathor). Er ist wie der Musikant der Goldenen, ..., der für seine Mutter nach ihrem Belieben musiziert.“ Die göttliche Randzeile schildert dann den Erfolg des Rituals (C): „Behedetit (die von Edfu) ist erschienen in Behedet (Edfu) ..., sie bezwingt den (eigenen) Zorn, wird wieder heiter und besänftigt die Wut, die von Ihrer Majestät ausgeht. Sie ist die Herrin-der-Freude, sobald sie das Sistrum erblickt hat, die Prächtige, die das Musizieren liebt.“ 30
Das Edfu-Projekt Eine andere Szene, in der ein Räucherarm verwendet wird, ist einfacher überschrieben: „Weihräuchern.“
Räucher-Szene auf der Osthälfte der Nordwand der äußeren Umfassungsmauer mit markierten Textstellen Der König spricht dazu (D): „Ich habe den Räucherarm ergriffen, ich erhebe ihn mit meinem Arm, und ich opfere Weihrauch dem Auge-des-Re (Hathor). ... Hat Myrrhe, erstklassig in ihrer Art, deinen Duft angenehm gemacht und deinen Leib vollkommen, so freust du dich und vereinst dich mit dem Buntgefiederten.“
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Zum 160. Geburtstag des Marquis Maxence de Rochemonteix Die göttliche Randzeile beschreibt die durch das Ritual ausgelöste Aktion der Göttin (E): „Die Starke im Thronsitz (Edfu), ... die zur Erde herabsteigt, wenn sie den Weihrauch riecht, Hathor, die Große, die Herrin-von-Dendera.“ Zur „Bewertung“ des Edfu-Tempels „Dieses sind die vollkommenen und trefflichen Monumente, die Seine Majestät und seine Vorväter geschaffen haben. Ihre Namen wurden in sie eingeschnitten mit Erz, damit ihre Kas (Namen) dauerhaft seien auf ihren Werken, damit ihrer Vollkommenheit gedacht werde durch ihre Nachfahren, damit ihre Namen gefestigt seien wie ihre Denkmäler, ..., damit ihre Macht gerühmt werde durch die Menschen die (sie) nicht sehen konnten, und damit sie die Generationen anbeten, die (sie) nicht kennen konnten, damit man ihre Namen nenne im Großen-Sitz (Edfu) in Millionen von Millionen von Zeitabschnitten ... (Edfou VII, 3, 7 ff.). Dem Wunsch der Horuspriester, die Erinnerung an die „TempelErbauer“ zu erhalten, kommen jährlich Tausende Besucher nach, die das antike Heiligtum besichtigen. Die Architektur, die Dekoration und die Texte des Tempels von Edfu üben noch heute eine große Faszination aus. Was Serge Sauneron für die Texte des Tempels von Esna voraussagte, gilt mindestens in gleichem Maße für den noch besser erhaltenen Horustempel von Edfu: „Die religiöse Literatur, die man hier entdeckt, wird, wenn sie besser bekannt ist, einmal zu den 'klassischen' Texten der Ägyptologie gehören“28. Der Gesamteindruck des Bauwerkes auf Besucher ist oft sehr emotional: „Ich besuchte dann den prachtvollen Tempel von Edfu, der einer der schönsten in Aegypten ist, so daß dieser Tag für mich einer der genußvollsten war.“29. „Und wenn der Amontempel in Karnak das großartigste Bauwerk
28 S. SAUNERON, in: Lexikon der ägyptischen Kultur, S. 65, s.v. "Esna". 29 VON RICHTER, S. 24.
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Das Edfu-Projekt ist, das existiert, dann ist der Horustempel von Edfu das am schönsten erhaltene antike Baudenkmal, das seinesgleichen nirgends auf der Erde findet“30. „Der Tempel ist zwar kaum viel älter als 2000 Jahre, also strenggenommen schon eine leblose, hundertmalige Wiederholung übernommener Formen, allein, er überzeugt; und wenn man von ihm Abschied nimmt, empfindet man, daß der Stärkere zurückbleibt, und schleicht beinahe beschämt von dannen.“31 AUS DER ARBEIT DES PROJEKTES Da das Edfu-Projekt darum bemüht ist, Übersetzungen zu liefern, die auch von fachfremden Wissenschaftlern oder Laien verstanden und unmittelbar genutzt werden können, ist in einer Vielzahl von Fällen die Notwendigkeit gegeben, Textstellen inhaltlich durch Fußnoten zu erläutern oder aber – im Falle größerer Themengebiete – als Anhang der Übersetzungsbände Hintergrundinformationen mitzuliefern. Fallweise kann jedoch eine wissenschaftliche Untersuchung auch den Rahmen eines Anhangs sprengen, so dass mit den sogenannten ‚Edfu-Begleitheften’ eine Plattform geschaffen wurde, die in solchen Fällen auch größeren Untersuchungen ein Medium verschafft. Im Folgenden liefert ein Artikel aus dem Begleitheft 6 ein Beispiel für eine derartige Untersuchung: Es geht hierbei um die Lokalisation des Ortes Behedet – eines Ortes, der in den Texten des Tempels von Edfu mehrfach genannt wird, jedoch bis heute nicht zweifelsfrei identifiziert werden konnte. Da es sich um einen Ort handelt, dem im Kult des Tempels große Wichtigkeit zukommt, besteht im Fach naturgemäß ein großes Interesse daran, diese Stätte archäologisch nachzuweisen.
30 HAMANN, Die Reise ins Pharaonenland, S. 193. 31 LICHNOWSKY, Götter, Könige und Tiere, S. 82 ff.
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