Die koptisch-spätantiken Kämme der ägyptischen Sammlung im Museum für Völkerkunde Hamburg morein: Mitteilungen aus dem Museum für Völkerkunde Hamburg, Neue Folge Band 30, 2000 (2001) 310-327 |
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itteilungen aus dem Neue FoIge
useum fur Volkerkunde 2000
amburg
Alt-Agypten
Band 30 - 2000
Die koptisch-spatantiken Kamme der
agyptischen Sammlung im Museum fur
Volkerkunde Hamburg
Andreas Effiand
1. Einleitung
Von den einstmals sechs koptisch-spatantiken Kammen, die das
Museum fur Volkerkunde Hamburg besaB, sind leider nur noch drei
vorhanden. Die ubrigen drei, die mit Abstand bedeutenderen und
kunstlerisch wertvolleren, gelten als Kriegsverluste, Da die noch
existierenden Kamme derzeit im Magazin des Museums gelagert
werden - und einem groBeren Publikum somit verborgen bleiben -
sollen diese Objekte im folgenden vorgestellt werden.
2. Kamme im Alten Agypten
Seit altester Zeit sind Kamme in Agypten belegt. Vornehmlich stammen
diese Fundobjekte aus Begrabnissen. Bei den aus Elfenbein, Knochen,
Horn, Holz, seltener aus Stein oder Schildpatt gefertigten Exemplaren
handelt es sich sowohl urn Einsteckkamme mit wenigen langen Zinken -
zum Festhaiten und Schmucken des Haares - als auch urn, mit zahlrei-
chen kurzen Zinken versehene Kamme zum Strahnen der Haare.1 Diese
Kamme konnen auch mit einer doppelten Zinkenreihe versehen sein.
Es hat den Anschein, als seien die einreihigen Formen nach dem Neuen
Reich2 aus der Mode gekommen, die doppelreihigen hingegen sind bis
in die koptische und arabische Zeit belegt.3
1 Cf. allgemein Christa Miiller, in: LA III, 305 I, s.v. "Kamm".
2 Das Museum fur Volkerkunde Hamburg besitzt in seiner Sammlung auch Kamme
des Mittleren und Neuen Reiches, einer ist in der Sammlungsliste bei Das Gupta,
Sammlung, 89 ff., in wenigen Worten beschrieben:
a) "12.18:44 Fragment eines Kammes, L, 6, 4 cm MR"; Das Gupta, op.cit., 102;
b) ein weiterer Kamm tract die Inv. Nr. 12.18:43. Bei beiden handelt es sich urn
Geschenke aus dem Jahre 1912, die aus den Grabungen der Deutschen Orient
Gesellschaft stammen.
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3. Kamme in koptisch-spatantiker Zeit
Kamme gehdren zu sehr haufigen koptischen Kleinfunden und sind in
vielen Sammlungen (zumeist nur in Magazinen) vorhanden*.
Gelegentlich, aber leider allzu selten, sind die archaologischen
pundumstande nachweisbar: Meist konnen wir dabei feststellen daB sie
aus fu n era rem Kontext stammen, ais Beigabe an oder neben der
Mumie5, so z. B. aus Karara6 oder Antinoopolis". Andere Kamme stam-
men jedoch auch aus nicht-funerarem Kontext wie z. B. vom Tell Edfu*.
Fur eine prazise Datierung dieser Objekte fehlen zumeist die Anhalts-
punkte und stichhaltige Argumente;* eine gesicherte chronologische
Typologie zu erstelien, ist bislang nicht gegluckt, iiberwiegend wird
jedoch das 5. bis 7. Jahrhundert angenommen10.
in der einschlagigen Literatur" werden prinzipiell drei Gruppen
unterschieden:
/V) Breitkamme
gj Hochkamme
q ) Webkamme
3,1, Breitkamme
pas Format der Breitkamme12 ist querrechteckig, an den beiden
Langieiten steht dabei eine Reihe feinerer Zinken bzw. Zahne einer
i Cf. Petrie, Objects, PI. 21^ ~~ "-
* Cf- z-B- Feucht, Vom Nil zum Nedcar, 195, Nr. 558 (c)
* cf z»'bk A"^hr,ich%V«™ jhnis der aegyptischen Altertumer und Gipsabgusse
Konigliche Museen zu Berlin, Berlin 21899, 394, 388 h y 5se-
* Cf. Ranke, Karara, 4 ft; 23 ff.; 49.
> Cf Strzygowskl Kunst, 144; Rutschowscaya, in: The Coptic Encyclopedia VII 1991
2336, s.v. Woodworking, Coptic . 3 p "' ,vy|<
, Cf M. M. Alliot, Rapport sur les fouilles de Tell Edfou (1932) Kairo 19^ mi
XV»».2); M. H. Henne, Rapport sur les fouilles de Tell Edfou (1923 et l?^ ^
1925, (Pi- XXVII); K. Miehafowski et alii, Fouilles Franco-Polona ses R«n!S ill t'.
Edfou 1939, Kairo 1950, (326, Nr. 1174 KS, PI XLVIII, ^ ^ RW<>rts III, Tell
« Cf- auch Nauerth, Bemerkungen, 1, n. 4.
i# Cf- Nauerth, Bemerkungen, 1,n. 4 und 6, n. 1; Severin, in- Fs Wessel 7A7
n Nauerth, Bemerkungen, 1 ff. ' n- rs Wessel'
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groberen gegenuber. Rechts und links an den Seiten sind die Endzahne
zumeist dicker ausgebildet, was zur Stabilitat des Kammes beitragt.
Der Mittelteil ist massiv; dieser ist entweder unverziert oder tragt als
Schmuck uberwiegend einfache eingeritzte Ornamente wie Linien und
auch das sog. Kreis-Punkt-Muster.
Die Mitte des Kammes ist haufig leicht erhoht bzw. nach der Mitte hin
verdickt, wodurch der Querschnitt rhombenformig erscheint
Als Material dienten verschiedene Holzarten.14
Diese Form der Breitkamme ist bis uber die arabische Zeit und sogar
bis in die Gegenwart belegt, weshalb ste gelegentlich als junger
eingestuft werden als die Hochkamme15.
Da die Breitkamme oft in der Mitte verdickt sind - und somit haltbarer
und in der Praxis gut zu handhaben - wird ihre Funktion und Verwen-
dung zumeist in der des taglichen Gebrauchs als Haarkamm gesehen.1*
Das Museum fur Volkerkunde Hamburg besitzt in seiner Sammlung ein
sehr schon verziertes Exemplar, einen Doppelkamm aus braunem Holz."
MVK, Inv. Nr. 1070:05
MaBe: 7,9 x 6,9
12 Zahlreiche Beispiele sind genannt bei Nauerth, Bemerkungen, 5, n. 1; cf. auch
Feucht, Vom Nil zum Neekar, 194 (Nr. 557); Michailides, Collection, 488 (Pi. XVII.2);
Petrie, Objects, 26 (PI. XX f).
13 Cf. Ranke, Karara, 25.
14 Cf. Nauerth, Bemerkungen, 4, n. 3. Auch Bein und Elfenbein land Verwendung,
diese Kamme besitzen meist einen reich mit Figuren und Szenen verzierten
Mittelteil, cf. op.cit., 7, n. 2; Feucht, Vorn Nil zum Neckar, 195, Nr. 559.
15 Cf. Nauerth, Bemerkungen, 6, n. 1.
16 Eine gelegentlich geauBerte Vermutung, hierin ein liturgisches Gerat zu erkennen,
ist keineswegs ausgeschlossen, bedarf aber m. E. eine in der Literatur bislang nicht
uberzeugend ausgedruckte Argumentation, cf. auch Nauerth, Bemerkungen, 6, n.
2; F. Swoboda, Die liturgischen Kamme, Diss. Tubingen, 1963.
17 Die Verzierung hat eine Parallele in einem Kammfragment aus der Sammlung
Michailides, cf. Michailides, Collection, 488, Nr. 5, PI. XVI,2.
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Fundort: unbekannt
Erwerbung: Geschenk von Martin Ruelcer Jenisch, 1905
Datierung: 6. - 8. Jhdt.
Zu den mit den Zinken versehenen Seiten verdiinnt sich das Profil des
Kammes, die Kanten selbst sind abgerundet. Die beidseitig gleiche
Verzierung besteht aus drei spiegelsymmetrisch angeordneten Relief-
elementen: Rechts und links ist ein Kreis sichtbar, in welchen um einen
Mittelkreis sieben kleinere Kreise gruppiert sind. Dazwischen befindet
sich ein langgestrecktes Rechteck, welches 14 kleine Kreise in zwei
diagonal versetzten Gruppen zu je sieben Kreisen enthalt. Das Rechteck
schlieBt in drei Dreiecken nach auBen hin ab.18
Abb. 1: MVK 1070:05
r[^gt hier evtl. fine Form von Zahlenmystik, -magie, -symbolik vor (7 - 14 - 28P
DaZu cf. z.B. Keith Cntchlow, Islamic Patterns. An Analytical and rrt««^u .
Approach London 1976, reprint 1992, 162; Matthias RoShob inW^T^J'f
Holf Gundlach, AAT 35 1996 223 ft; Kurt Setha, Von Zahlen und zXot n 'be1
den alten Agyptem und was fur andere Volker und Spraehen daraus 2U lernen Fst
StraBburg,1916. 33 ff. - Ich danke meiner Frau Ute Effland, M.A., die mVden Bl ck
In diesen Bereich offnete. -n D,,ck
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3.2. Hochkamme
Die Hochkamme zeichnen sich durch eine groBere Hdhe als die
Breitkamme aus. Sie haben an den beiden kurzen Seiten unterschiedlich
feine Zinken oder Zahne. Die Eckzahne sind zumeist auch hier aus
Stabilitatsgrunden dicker.
Im Gegensatz zu den Breitkammen sind die Hochkamme gleichmaBig
brettchenartig flach. Uberwiegend wurde als Material Holz verwendet,
doch auch Exemplare aus Elfenbein sind bekannt19.
Das Mittelstuck kann sowoh! ein querrechteckiges, ein quadratisches
oder ein hochrechteckiges Format aufweisen.
Unter den holzernen Hochkammen konnen wiederum zwei Arten
unterschieden werden:
A. ) Hochkamme mit einem massiven Mittelstuck und
B. ) Hochkamme, mit einem durchbrochen gearbeiteten Mittelstuck.
3.2.1. Massive Hochkamme
Sehr viele dieser Hochkamme mit einem massiven Mittelstuck20 sind mit
dem ublichen Kreis-Punkt-Muster verziert, andere besitzen auch kleine
gebohrte Locher als Schmuck. Gelegentlich finden sich aber auch
Exemplare, die ein geschnitztes, figurlich reliefiertes Mittelfeld
aufweisen.21
Das Museum fur Volkerkunde Hamburg birgt in seiner Sammlung zwei
massive Hochkamme.
MVK, Inv. Nr. 1069:05
MaBe: 12,3x8,1 cm
Fundort: unbekannt
19 Cf. Nauerth, Bemerkungen, 10, n. 2 f.; 11, n. 1.
20 Zahlreiche Beispiele sind genannt bei Nauerth, Bemerkungen, 9 f, n. 2.
5! Cf. Nauerth, Bemerkungen 10, n. 1; zu geschnitzten Elfenbeinkammen cf. op.cit.,
10, n. 2f.
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Abb, 2: MVK 1069:05
gej diesem Exemplar handelt es sich um einen Hochkamm aus
|-iellbraunem Holz. Auf dem Mittelfeld der einen Seite dienen 6
ejngedrehte Punktkreise als Verzierung. Die Rucksette ist unverziert.
fVlVK, Inv. Nr
ptindort:
grvverbung:
patierung:
.50:5
26 x 7,3 cm
unbekannt
alter Museumsbestand
6. - 7. Jhdt.
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Deir Kamm besteht aus einem dunkelbraunen harten Holz. Auch hier ist
das Kreis-Punkt-Muster nur einseitig.22
Abb. 3: MVK 22.50:5
3.2.2. Durchbrochene Hochkamme
Von den Hochkamrnen mit massivem Mittelfeld und einfaeher
Ornamentierung unterscheiden sich die durchbroche nen Hochkamme
durch sine aufwendigere Arbeit. Samtliche bekannten Exennplare23 sind
22 Als Parallele sei z.B. auf Egyptiennes. ttoffes coptes du Nil, Mariernont 1997, 227,
Nr. 111 verwiesen.
23 Zahlreiche Beispiele sind genannt bei Nauerth, Bemerkungen, 11 f., n. 4 und 12 f.(
n. 1; ef. auch dies., in: Agypten. Schatze aus dem Wustensand, Kunst und Kultur der
Christen am Nil, Wiesbaden 1996, 188, Nr. 180 a-b; I. Gamer-Wallert, Vermerk:
Fundort unbekannt. Agyptologische Entdeckungen bei Privatsammlern in und um
Stuttgart, Tubingen, 1997, 268 ff„ Tf. 97; Feucht, Vom Nil zurn Neckar, 194 f, Nr.
558; Severin, Agyptische Holzschnitzereien des 6.-7. Jahrhunderts in Berlin, in: Fs
Klaus Wessel, Munchen 1988, 266 f.; ders., in: A. Effenberger und Severin, H.-G.,
Das Museum fur Spatantike und Byzantinische Kunst, Berlin 1992, 189, Nr. 101 a-d;
ders., in: Agypten. Schatze aus dem Wustensand, Kunst und Kultur der Christen am
Nil, Wiesbaden 1996, 189, Nr. 181 a-d; Petrie, Objects, 26, PI. XXI; E. Doetsch-
Amberger, Agyptische Sammlung II, Koln 1992, 51, Nr. 338; M.-H. Rutschowscaya,
Catalogue des bois de I'Egypte copte, Paris 1986, Nr. 34 - 37; Pagan and Christian
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aus Holz. Auch sie weisen eine Reihe feinerer und eine Reihe groberer
Zahne oder Zinken auf, auch sie sind durchgangig gleiehmaRig flach.
Das besondere an ihnen ist die durchbrochene Arbeit des Mittelfeldes.
Figuren und Ornamente sind ausgesagt, lediglich stehengelassene
Stege bilden die Verbindung zu dem Rahmen des Mittelfeldes. Diese
durchbrochene Arbeit wird auch als a-jour-Technik bezeichnet.24
Beliebte Dekormotive waren neben Personendarstellungen15 immer
wieder Tiere: VierfuBler vor einer Krippe oder einem Opferstander
stehend", Lowen27, und besonders Vogel wie Pfauen2*, Pelikan^, Hahne
oder Entenvogel30.
Auch das Museum fur Volkerkunde Hamburg besaG ehemals solche
aufwendig gearbeiteten durchbrochenen Hochkamrne. Leider qelten sie
a(le als Kriegsverluste. ^
MVK, Inv. Nr. 22.50:2 (Kriegsverlust)
Mafte: 12,5 x 6,7 cm
pundort: unbekannt
grwerbung: alter Museumsbestand
patierung: 6. - 7. Jhdt.
par Kamm war aus hellbraunem Holz gefertigt, die feine Zahnung sowie
der Rand des Objektes war beschadigt. Auf dem durchbrochenen
Mittelfeld war eine schreitende, mit Kreis-Punkt-Muster (Gefieder und
Auge) verzierte Trappe m Seitenansicht dargestellt. Der Rahmen des
Bifdfefdes war ebenfalls mit Kreis-Punkt-Muster geschmuckt Vor der
Trappe befand sich em vermutlich fbrales/vegetabiles Motiv.31
Egypt- Egyptian Art from the First to the Tenth Century A D., Brooklyn Museum
ia Qt z-B- Nauerth, Bemerkungen, 11, n. 3.
as Cf- z-B- Strzygowski, Kunst, Tf. VIII.
& Cf- Gamer-Wallert, op.cit., 270, n. 29.
10 Cf- z-B- Strzygowski, Kunst, 146, CGC 8830, Tf. VIII.
& Cf- Rank®. Karara, Tf 16,2.
■29 Qj, Michailides, Collection, PI. XV,2.
*> Cf- Z-B" Se^erin'!?: ? Wessel' 266 F- Abb-14; Doetsch-Amberger op cit
31 Eine nahe Parallele findet sich bei Severin, in; Fs Wessel, 266 E Abb 13'
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Abb. 4: MVK 22.50:2 (Kriegsverlust)
MVK, Inv. Nr. 22.50:3 (Kriegsverlust)
MaBe: 13,5 x7,3 cm
Fundort: unbekannt
Erwerbung: alter Museumsbestand
Datierung: 6. - 7. Jhdt.
Der Kamrn war aus einem dunkelbraunen hartem Holz gefertigt. Das auf
dem Mittelfeld in Seitenansicht dargestellte Tier32 war mit Kreis-Punkt-
Muster (Fell und Auge) verziert.
32 Eine Parallele ist mir derzeit nicht bekannt. Islach einern Vergleich mit
Darsfellungen auf koptisehen Stoffen kann es sich evtl. um einen Ziegenbock oder
auch eine Gazelle handeln. Zum Ziegenbock cf. z.B. Ludmila Kybalova, Koptische
Stoffe, Prag 1988, 83, Mr. 33; 86, Nr. 37; 92, Nr. 44; 93, Nr. 45, Zur Gazelle cf. z.B.
Annemarie Stauffer, Spatantike, fruhchristliche und islarnische Textilien aus
Agypten. Bernisches Historisches Museum Abfeilung Volkerkunde, Bern 1996, 49,
Nr. 31.
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Abb. 5: MVK 22.50:3 (Kriegsverlust)
MVK, Inv. Nr. 22.SQA (Kriegsverlust)
Made: 25,5 x 7 cm
fundort: unbekannt
Erwerbung: alter Museumsbestand
patierung: 6. - 7. Jhdt
Der besonders schone Kamm war ai„ •
gaschnitzt das Mittelfefd w^^^^ harten Holz
Rhomben-Muster; oben eine mensrHW, B™flachen auf: unten ein
aUf Altaren (?). menschliche F.gur zwischen zwei Tiere"
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Abb. 6: MVK 22.50:4 (KriegsveHust)
DaB von den Objekten MVK 22.50:2-4 nur die hier publizierten
Zeichnungen eines/einer unbekannten Kunstlers/Kunstlerin und keine
Photos vorhanden sind, ist besonders bei diesern Exemplar zu
bedauern. Ob es sich dabei urn einen durchbrochenen Hochkamm
handelt oder eher um einen figurlich reliefierten, massiven Kamm ist der
Zeichnung nicht ganz sicher zu entnehrnen.
3.3. Zur Funktion der Hochkamme
Diese Hochkamme, ob rnassiv oder durchbrochen, eignen sich schwer-
lich zum Gebrauch des Kammens der Haare. Sie werden vielmehr als
Schmuek interpretiert.
Dem Vorschlag, in den durchbrochenen Exemplaren ein Kombinations-
instrument fur Weber (Schablone und Webkamm) zu sehen", ist plausi-
bel widersprochen worden34.
Die Kamme werden auch als eigens als Totenschmuck hergestellte, un-
benutzte Grabbeigaben angesehen.35
33 So Nauerth, Bemerkungen, 13.
34 Severin, in: FsWessel, 267, n. 41.
35 Siehe Severin, in: Fs Wessel, 267, n. 42 und 43.
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3,4, Bemerkungen zur Bedeutung des Kammes
V\/enn diese Kamme als Totenschmuck dem/der Verstorbenen in das
Grab gelegt wurden, so ist die Frage nach der Bedeutung dieser
Qrabbeigaben noch immer nicht geklart. Die folgende kurze Aus-
fuhrung mochte ich als Diskussionsvorschlag angesehen wissen.
£5 ist fur die pharaonische Zeit uberzeugend nachgewiesen worden,
claB bestimmte Frisuren erotische Botschaften mitteilen konnten; das
jyjotiv des Haares wird verwendet, urn eine erotische Thematik zu
vermitteln.36
Pie Assoziation von Haar und Sexualitat ist durch im Zusammenhang
stehende Szenen der Regeneration und Geburt bis zu den sog.
Konkubinenpuppen (Fruchtbarkeitsfigurchen) verfolgbar.37
per sexuelle Aspekt von echtem oder unechtem Haar (Perucken) wird
auch durch Hinweise aus der agyptischen Literatur (Pap. d'Orbiney,
pap- Harris 500, "Hirtengeschichte"), besonders inn Zusammenhang mit
yebe und Verfuhrung, deutlich18.
^yfgrund dieser Syrnbolik des Haares ist ein Karnm als Grabbeigabe"
nicht lediglich ein praktisch funktionaler Gebrauchsgegenstand, ihm
jcornmt daruberhinaus ebenfalls eine gewisse Bedeutung als erotisches
5yrnbol zu. Gerade als Grabbeigabe fur das Jenseits, mit dem
pljntergrund der Anspielung auf Erotik und Sexualitat, mochte ich in
, n Kammen einen Hinweis auf das thematische Umfeld von Frucht-
^fice'it40 und Wiedergeburt41 erkennen.
—'^7~phiUppe Derchain, La perruque et le cristal, in: SAK 2, 1975, 55 ft; Stork, in: LA
* 7 n.35.s.v. "Erotik".
s-'f J Fletcher, in: Gillian Vogelsang-Eastwood, Die Kteider des Pharaos, Die
37 ' ndunq von Stoffen im Alten Agypten, Hannover/Amsterdam 1995, 130.
w ri Derchain, op.at.
KImrnen als Grabbeigabe im Agypten der spat-romischen Zeit (2. Jhdt. und
39 ^^AO n-Chr.) cf. z.B. W.M.F. Petrie, Hawara, Biahmu, and Arsinoe, London 1889,
yrT1 pj XIX und XXL; Susan Walker und Morris Bierbrier, Ancient Faces. Mummy
->Ws from Roman Egypt. A Catalogue of Roman Portraits in the British Museum
?° London 1997, 149, Nr. 166; 212 f, Nr. 324 und 325.
^'}} aUch Sylvia Schoske, Schonheit - Abglanz der Gottliehkeit. Kosmetik im Alten
* Q +e>n SAS 5, Munchen 1990, 115, Nr. 91.
321
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Moglicherweise ist in diesem Zusammenhang auch auf den Gebrauch
des Kammes als Amulett42 hinzuweisen. Die Bedeutung des Kammes als
Amulett ist fur den agyptischen Bereich noch nicht befriedigend
geklart.43 Doch auch in anderen Kulturen wird der Kamm als Amulett
genutzt. "Schon die Tatsaehe, daB der Kamm sowohl als Gebrauchs-
gegenstand, wie als Kultrequisit auch zum reinen Zierstuck umgestaltet
und als solches ... Toten neben Schlussel44 und Sichel mit ins Grab
gegeben wurde, weist auf eine besondere Wertung hin, die zum
Bereich des Kultischen und Heiligen tendiert."45
Neben christlichen Heiligen (St. Verena, s.u.) konnten auch heidnische
Gottheiten als Attribut einen Kamm tragen. Es mag nicht unbedeutend
sein, dabei auf AphroditeA/enus4* zu verweisen.
41 Angesichts der Haufigkeit von Vogeldarstellungen auf den Kammen darf man evtl.
auch auf den Symbolgehalt der Vogel (Weiterleben der Seele nach dem Tode) bei
den Kopten hinweisen, cf. z.B. Annemarie Stauffer, Textiles d'Egypte de la
collection Bouvier. Antiquite tardive, periode copte, premiers temps de I'lslam,
Musee d'art et d'histoire Fribourg, Bern 1991, 112, Nr. 33; cf. auch Stork, in: LA II,
7, n. 38, s,v. "Erotik".
42 Cf. W.M.F. Petrie, Amulets, Warminster 1914, 21, PI. VI, 74 a-e.
43 " Meaning. Hair dressing", Petrie, Amulets, 21, Nr. 74.
44 Der Schlussel ist auch in Agypten nicht unbekannt. Im Fayum, in der Nahe von
Seila, befindet sich eine Nekropole aus der Zeit des 1. Jhdts. v. Chr. bis zum 8. Jhdt.
n. Chr. In einem Grab, einer Bestattung einer jungen Frau mit einem neugeborenen
Kind, wurden als Grabbeigaben Schmuck, Perlen, Amulette und drei eiserne
Schlussel entdeckt. Nach Griggs konnten die Schlussel symbolisch zum Aufsperren
mehrerer Himmel gedacht sein und auf eine Synthese altagyptischen und
christlichen Gedankenguts zuruckzufuhren sein. Cf. C.W. Griggs, in: Actes du IV*
Congres Copte 1988, Bd. I, Louvain - Paris 1992, 195 ft; Gudrun Fischhaber,
Mumifizierung im koptischen Agypten. Eine Untersuchung zur Korperlichkeit inn 1.
Jahrtausend n. Chr., AAT 39, 1997, 36 f. - Allgemein zum Weiterleben agyptischer
Vorstellungen und Brauche im koptischen Totenwesen cf. Martin Krause, in: ders.
(Hg.), Agypten in spatantik-christlicher Zeit. Einfuhrung in die koptische Kultur.
Sprachen und Kulturen des christlichen Orients 4, Wiesbaden 1998, 103 ff.
45 Liselotte Hansmann und Lenz Kriss-Rettenbeck, Amulett - Magie - Talisman,
Munchen 1977, Hamburg 1999, 240.
tt Zum Thema der Venus/Aphrodite mit Kamm siehe Evamaria Schmidt, in: Lexicon
Iconographicum Mythologiae Classicae (LIMC) VII1.1, 1997, 208, Nr. 163; 209, Nr.
173; Wilhelm Hornbostel, Kunst der Antike. Schatze aus norddeutschem
Privatbesitz, Hamburg 1977, 180, Nr. 161 und (diesen Hinweis verdanke ich Herrn
Prof. Dr. Stork) Maria Jedding-Gesterling (Hrsg.) Die Frisur. Eine Kulturgeschichte
der Haarmode von der Antike bis zur Gegenwart veranschaulicht an Kunstobjekten
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Band 30 - 2000
Auch in der Zauberliteratur erschei.nt der Kamm als Attribut und damit
magische Gestalt. in der "Picatrix" genannten Sammlung arabischer
und persischer Verarbeiter spatantiker Traditionen zu den Prozeduren
der Amulettherstellung47 heiBt es: "Man graviert fur Venus auf einen
Ringstein von Rubin das Bild einer Frau mit einem Apfel48 in der rechten
und einem Kamme, ahnlich einer Tafel, in der linken Hand darauf
folgende Zeichen stehen: AorOAO (= 851585). Das Bild hat den Leib
eines Menschen mit dem Gesicht eines Vogels und den FiiBen eines
Adlers. Dies Bild macht seinen Trager bei alien Leuten befiebt.""'
4. Webkamme
0ne weitere Gruppe von Kammen laBt sich von den ubrigen aus-
sondern: die Web- oder Weberkamme,
Sie sind querrechteckig, weisen an einer Langsseite kurze, kraftige
Zahne und auf der anderen einen langeren Stiel auf. Zumeist blieben sie
undekor.ert oder trugen nur einen sehr einfachen Schmuck, dann uber-
yyriegend das Kreis-Punkt-Muster.50
Mit diesen Webkammen driickte man die Querfaden (SchuB) fest an das
Gewebe.51
per Literatur" laBt sich entnehmen, daB das Hamburgische Museum fur
Volkerkunde im Jahre 1914 einen solchen Webkamm aus koptischer
2eit erwarb. Dieses Objekt muB allerdings als verschollen gelten; es war
^eF Sammlung Schwarzkopf und internationaler Museen, Hamburg 1990, 43, Abb.
69-
*7 picatrix. Das Ziel der Weisen von Pseudo-Magriti. Translated into German from
t|ie Arabic by Hellmut Ritter and Martin Plessner, Studies of the Warburg Institute
27 London 1962.
m fi^ucb der Apfel ist als Attribut der Venus/Aphrodite gut belegt, siehe Schmidt, in:
(jMC VIIM.209, C.
*• Zit'ert nac^ Hansmann und Kriss-Rettenbeck, op.cit., 240.
so Cf- Nauerth, Bemerkungen, 2 ff.; Feucht, Vom Nil zum Neckar, 194, Nr. 555 f.
si Cf Gillian Vogelsang-Eastwood, Die Kleider des Pharaos. Die Verwendung von
ctoffen im Alten Agypten, Hannover/Amsterdam 1995, 29, Abb. 43.
f2 q Thileriius, in: Jahrbuch der Hamburgischen Wissenschaftlichen Anstalten, XXXII.
jahrgan9' 1914' Hambur9 1915, 11.
323
i
Alt-Agypten
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mir nicht moglich, das Exemplar in der agyptischen Sammlung des
Museums zu verifizieren. Eine Karteikarte ist nicht vorhanden.
Wahrend der Durchsicht der Korrespondenz des Museums aus dem
Jahr 1914, Agypten betreffend, stieB ich jedoch auf zwei Brief e5J, die
auch eine Liste der vorn Museum in Agypten erworbenen Objekte
enthielten und zumindest eine kleine Skizze des Webkammes bieten.
Die Briefe", die Liste und die Zeichnung stammen von Georg Schwein-
furth, der gelegentlich Objekte aus offenen Angeboten fur das Museum
erwarb.
Unter der Nr. 36 fand sich das gesuchte Objekt, das dieser Liste und
einer kleinen weiteren Notiz zufolge aus dem Holz Acacia nilotica {Nil-,
Dornakazie) bestanden haben soil und ehemals aus Quft stammte.
Skizze Georg Schweinfurth
5. Exkurs: Die Heilige Verena und der Kamm"
In der Stiftskirche der Stadt Zurzach am Hochrhein (Schweiz) befindet
sich in der Krypta unter dem Chor das Grab der aus Agypten
stammenden Heiligen Verena.
1m Zusammenhang mit dem Martyrium der Thebaischen Legion54
gelangte sie uber das Rhonetal und Solothurn nach Zurzach, dem
damaligen romischen Kastell Tenedo. Um 300 n. Chr. verstarb sie dort
und wurde am gleichen Ort beigesetzt
53 Unter S.A.4 Bd. V.
54 Vom 11. April 1914 aus Kairo unci vom 8. Mai 1914 aus Alexandria.
35 Fur den Hinweis auf die Heilige Verena danke ich Herm Prof. Dr. Lothar Stork und
Herrn Dr. Otto Meinardus.
54 Cf. S.F. Girgis, in: The Coptic Encyclopedia VII, 2231 ff., s.v. "Theban Legion";
Meinardus, in: Kemet 5,1, 1996, 38 ff.
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Unter Herzog Rudolf IV. von Osterreich karn ein Teil ihrer Reliquien
auch in die Stephanskirche nach Wien.51 Im Oktober 198658 und am 29.
September/1. Oktober 199859 wurde ein Teil ihrer Reliquien aus der
Schweiz nach Kairo uberfuhrt, wo sie heute in der koptischen St. Markus
Kathedrale in Abbasiya, Kairo, aufbewahrt werden.60
grwahnenswert «st, daB die Heilige Verena mit einem Wasser- oder
yVeinkrug in der einen und einem zweireihigen Breitkamm61 in der
anderen Hand dargestellt wird."
Abb. 7: Wappen der Stadt Stafa im Kanton Zurich.
Pargestellt ist die Heilige Verena, Schutzpatronin der Stadt, und der Stadt Zurzach
im Kanton Aargau.
per Kamm in ihrer Ikonographie wird zumeist mit Hilfe ihrer Vita inter-
pretiert: Alle Quellen" sind sich dahingehend einig, daB sich die Heilige
57 Adolf Reinle, Die heilige Verena von Zurzach, Diss, Basel 1948 89 ff Q..-u .
jnsgesamt 102 Kirchen, Kloster und Altare in der Schwe f Baden WifmT
Hohenzo««em, Bayem, OstpreuBen und Osterreich, welZlt ^^hfa^'
nd in denen Verena-Reliquien anzunehmen seien Cf a,,rh m ■ j '
,%ernationale Kirchliche Zeitschrift, 379, 3, 1987, 1661* Memardus, in:
s« Cf- Meinardus, in: Internationale Kirchliche Zeitschrift 379 3 10«7 io u
* CI Church News, an electronic magazine for Immigrant Egyptian ChurrL ■ i,
Frei,as 16-10W8 ,url: h«p^Hr.b,cehrt%^
£ Cf. Meinardus, Two Thousand Years of Coptic Christianity, Kairo 1999 32?
6i Stan des Kammes kann selten auch das Attribut des Rr«t.i «j V L
Hippolyt und Verena in Ohningen. Mosiericirche St
ZurtalhCh m% 1613 stammenden Deckplatte ihres Grabes in
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Band 30 • 2000
Verena der Krankenpflege und der Lehre junger Frauen und Madehen
von der Reinheit der Seele sowie der korperlichen Reinheit gewidmet
hat.64
Abb. 8: Moclerne koptische Ikone der Heiligen Verena mit Kamm
Inn Rahmen der "Wiederentdeckung" der Heiligen der Thebaischen
Legion in der zweiten Halfte des 20. Jahrhunderts durch die koptische
Kirche65, hat auch die Heilige Verena einen neuen Stellenwert bei den
heutigen Kopten erlangt.66
63 Die Gberlieferungen des Martyriums der Thebaischen Legion stammen alle aus
derm mitteleuropaischen Raum des 5. bis 11. Jhdts., cf. Meinardus, in: Kemet 5,1,
1996, 39. Ein Kult der Verena wird nicht vor dem 9. Jhdt. greifbar, cf. Meinardus, in:
Internationale Kirchliche Zeitschrift 379, 3, 1987, 166.
M Siehe S.F. Girgis, in: The Coptic Encyclopedia VII, 1991, 2299 ff. bes. 2300.
65 Cf. Meinardus, in: Kemet 5,1, 1996, 38.
66 Dazu cf. Meinardus, in: Internationale Kirchliche Zeitschrift 379, 3, 1987, 168 ff.
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Abgekurzt zitierte Literatur:
pas Gupta,
Sarnrnlung
peucht,
Vom Nil
zum Neckar
{Vlichailides,
Collection
fsjauerth,
Bernerkungen
petrie,
Objects
Ranke,
fCarara
gtrzygOWSki,
«ynst
Das Gupta, Tapan Kumar
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Museum fur Volkerkunde. In: Mitteilungcn aus
dem Museum fur Volkerkunde Hamburg, Neue
Folge Bd.8, 1978, 89- 115.
Feucht, E.
Vom Nil zum Neckar. Kunstschatze Agyptens aus
pharaonischer und koptischer Zeit an der Uni-
versitat Heidelberg, Berlin 1986.
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Collection de peignes et autres objets de toilette
coptes. In: Fs Crum, Boston 1950, 485 ff.
Nauerth, C.
Bernerkungen zu koptischen Kammen. in: G. Koch
(Hg.)# Studien zur spatantiken Kunst, GOF II, 6,
1982, 1 -13.
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Objects of Daily Use, BSAE 42, London 1927.
Ranke, H.
Koptische Friedhofe bei Karara und der
Amontempel Scheschonks I. bei El Hibe. Berlin
und Leipzig 1926.
Strzygowski, J.
Koptische Kunst. Catalogue General des
antiquites egyptiennes du Musee du Caire N0'
7001-7394 et 8742-9200. Wien 1904.
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