Die befestigte Anlage Qal’at al-Babên nach den Berichten früher Ägyptenreisender more

in: W. Waitkus (Hg.), Diener des Horus. Festschrift für Dieter Kurth zum 65. Geburtstag, Aegyptiaca Hamburgensia 1, Gladbeck 2008, S. 83-92

AEGYPTIACA HAMBURGENSIA Band 1 Herausgegeben von Wolfgang Waitkus AEGYPTIACA HAMBURGENSIA Band 1 Diener des Horus Festschrift für Dieter Kurth zum 65. Geburtstag Herausgegeben von Wolfgang Waitkus Inhaltsverzeichnis Vorwort Bibliographie – Dieter Kurth zusammengestellt von Andreas Effland IX XI Bedier, Shafia Die Schreibung des Namens des Erdgottes Geb mit dem Sternzeichen und mit der Zahl 5 Beinlich, Horst Horus von Edfu in Philae Budde, Dagmar Dreißig Götter der Genese des Tempels Cauville, Sylvie Le bâton sacré d'Hathor Decker, Wolfgang Neue Olympiasieger aus Ägypten Effland, Andreas Die befestigte Anlage Qal’at al-Babên nach den Berichten früher Ägyptenreisender von Falck, Martin und Susanne Martinssen-von Falck Neues zur Westgöttin Gestermann, Louise Einige Anmerkungen zum Dekorationsprogramm im Osireion von Abydos Graeff, Jan-Peter Kemet, Kemet über alles! Zu Patriotismus, Nationalismus und Rassismus im Alten Ägypten Gundlach, Rolf Zu Strukturen und Grenzen heiliger Orte und Bereiche im pharaonischen Ägypten 1 7 17 41 67 83 93 109 123 135 Hallof, Jochen Die früheste Zeichnung des Tempels von Esna Martin, Karl Zu den „Obelisken“ des Alten Reiches Nauerth, Claudia Spuren auf Stoff Pardey, Eva Zu einer Bedeutungsvariante von fAj „tragen“ Quack, Joachim Friedrich Corpus oder membra disiecta? Zur Sprach- und Redaktionskritik des Papyrus Jumilhac Radwan, Ali Die Kandake als Stellvertreterin des Vaters (Amun-Re): Zur göttlichen Erscheinung der Königin in Kusch Spalinger, Anthony Colors and Directions Stoerk, Lothar Das Apostolat des Eunuchen der Kandake (Apg 8,27) im Glücklichen Arabien und auf der Insel Taprobane (Ceylon) Thiers, Christophe Quelques observations zoologiques et éthologiques du lion d’après les textes des gargouilles d’Edfou Waitkus, Wolfgang Die heiligen Schlangen von Edfu Wiebach-Koepke, Silvia Das Wirken des Sonnengottes in der Pflanzenwelt – Vorstellungsbilder der „religiösen Poesie“ 153 159 169 175 203 229 239 247 251 265 283 Die befestigte Anlage Qal’at al-Babên nach den Berichten früher Ägyptenreisender1 ANDREAS EFFLAND Der verehrte Jubilar ist bekannt für sein Interesse an Geländebegehungen in wenig oder gar nicht bekanntem Terrain.2 Gerne erinnere ich mich an einen Freitagsausflug nach Assuan während einer Kollationierungskampagne am Edfu-Tempel im Jahre 1999. Unterwegs wollten wir bei Qal’at al-Babên einen Zwischenstop einlegen. Die Suche nach der befestigten Anlage gestaltete sich jedoch als gar nicht so einfach. An die gemeinsame Freude beim Auffinden des Ortes sollen die folgenden Zeilen erinnern. … Abb. 1: Karte des Gebietes um Qal’at al-Babên (El Boùhâ) und der Festungsanlage bei Abu aId (Qalàah) nach der Description de l’Égypte, Carte topographique, fol. 3 (Detail) Mein besonderer Dank gilt ISOLDE LEHNERT, M.A., Bibliothekarin des Deutschen Archäologischen Instituts in Kairo, die mir vor Ort freundlicherweise die reichhaltige Sammlung alter Reiseliteratur des DAI zugänglich machte. 2 Siehe z.B. D. KURTH und U. RÖSSLER-KÖHLER (Hgg.), Zur Archäologie des 12. oberägyptischen Gaues. Bericht über zwei Surveys der Jahre 1980 und 1981, GOF IV/16, 1987; A. EFFLAND/D. KURTH/E. PARDEY/W. WAITKUS, Bericht über drei Surveys im Gebiet zwischen Hager Edfu und Naga el-Hisaja, in: Die Inschriften des Tempels von Edfu, Begleitheft 5, 1999, 40-68. 1 84 A. EFFLAND Etwa 19 km südlich von Edfu3 befindet sich auf dem östlichen Nilufer eine fortifikatorisch ausgebaute Anlage namens Qal’at al-Babên. Sie wurde am südlichen Ausläufer des Gebel esSirag errichtet, dessen steile, teilweise direkt an den Nil heranrückenden Felsen eine Höhe von 30-40 m erreichen. Die nordsüdlich verlaufende Straße nach Assuan weicht wegen des Bergmassivs etwas ins Landesinnere zurück, von dieser Straße aus sind die Lehmziegelmauern der Anlage kaum einsehbar. Lediglich der im nordöstlichen Bereich etwas vorgelagerte halbrunde Turm ist auffällig. Die Mauern selbst belegen einen steilwandigen Berghang, welcher sich unmittelbar zum Nil hin erstreckt. Der ungewöhnliche bzw. eigentümliche Grundriss des Komplexes ist durch die landschaftlichen Gegebenheiten des nach Westen zum Nil hin abfallenden Geländes bedingt.4 Abb. 2: Satellitenbild des Areals südlich von Edfu. Links markiert der Tempel von Edfu, rechts Qal’at al-Babên. Die Entstehungszeit von Qal’at al-Babên wird bislang ausgesprochen kontrovers diskutiert; präferiert wird entweder das 7. Jahrhundert n. Chr. oder das ausgehende 10. Jahrhundert.5 Zur Entfernungsangabe siehe P. GROSSMANN, Qal’at al-Bâbayn*, in: The Coptic Encyclopedia VII, 1991, 2035, sowie P. GROSSMANN und H. JARITZ, Ein Besuch in der Festung von Qal’at al-Babēn in Oberägypten, in: MDAIK 30, 1974, 199. Die Koordinaten des Ortes lauten 24° 48’ 39’’ N und 32° 54’ 51’’ O. 4 Zur lokalbedingten Variabilität eines Festungsidealschemas siehe U. EFFLAND, Untersuchungen zu den nubischen Festungen des Mittleren Reiches unter besonderer Berücksichtigung der Architektur und Funktion, unpubl. Magister-Arbeit, Hamburg 1998, 55 ff.; cf. auch P. GROSSMANN, in: The Coptic Encyclopedia VII, 2035. 5 Zur Diskussion um die Datierung siehe u.a. U. MONNERET DE VILLARD, Storia della Nubia Cristiana, Rom 1938, 124; P. GROSSMANN und H. JARITZ, in: MDAIK 30, 200; A. EFFLAND, Materialien zur Archäologie und ... > S. 85 3 Die befestigte Anlage Qal’at al-Babên 85 Ein antiker koptischer oder ein griechischer Name der Befestigungsanlage ist bislang nicht bekannt. Man hat u.a. versucht, den Ort mit dem lediglich literarisch überlieferten „oberägyptischen Thmouis“6 zu identifizieren,7 doch ist dies aufgrund der nicht übereinstimmenden Entfernungsangaben eher unwahrscheinlich8. Auch eine Identifizierung mit dem ebenfalls nur literarisch belegten Ort Toum9 wird abgelehnt.10 Der heutige arabische Name lautet Qal'at al-Babên, der Ort ist allerdings auch unter den Namen Buêb oder Bueb elBahari u.ä.11 bekannt. Der heute nahezu vergessene Ort wurde insbesondere gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch mehrfach von Archäologen und Reisenden besucht12, eine archäologische Untersuchung ist allerdings bislang ausgeblieben. Im Frühjahr 1969 führten indes P. GROSSMANN und H. JARITZ hier einen Survey durch, dessen Ergebnisse 1974 publiziert wurden.13 ... < S. 84 Geschichte des Raumes von Edfu, Dissertation Hamburg 2004, 70 ff.; L. OP DE BEEK, Pottery from the fortified town site of Qal’at el-Babên, in: CRIPEL 24, 2006, 143-169. 6 Cf. H. KEES, Thmuis*, in: RE VI a1, 1936, 296. 7 Cf. G. STEINDORFF, in: Baedeker, Ägypten und der Sudan, Leipzig 1928, 354; S. TIMM, Das christlich-koptische Ägypten in arabischer Zeit, TAVO 41/5, 1991, 2095 f., s.v. „Qal’at al-Babên“. 8 Cf. schon H. KEES, in: RE VI a1, 296; P. GROSSMANN und H. JARITZ, in: MDAIK 30, 200, n. 11. 9 Cf. H. KEES, *, in: RE VI a2, 1936, 1840. 10 Siehe P. GROSSMANN und H. JARITZ, in: MDAIK 30, 200, n. 12. – Auf mehreren älteren Karten findet sich allerdings noch ein Eintrag „Toum“ (z.B. C. SICARD, Œuvres III, Parallèle Géographique de l’ancienne Égypte et de l’Égypte moderne, Présentation et notes de S. Sauneron et M. Martin, BdE 85, 1982, Karte nach S. 168; LD, Abth.I.Bl.3bis) oder „Thmuis“ (z.B. auf der Carte topographique, fol. 3, der Description de l'Égypte). Es handelt sich dabei um eine archäologisch bislang nicht nachgewiesene Ortschaft, die allerdings, literarisch belegt, in diesem Gebiet zu finden sein muß. Dieses oberägyptische Thmuis ist indirekt durch ein im Itinerarium Antonini (z.B. K. MILLER, Itineraria Romana, Stuttgart 1916, LIX, Nr. 160; J. BALL, Egypt in the Classical Geographers, Kairo 1942, 143) belegtes „Contra Thmuis“ bezeugt. Der ähnlich lautende Ort  bzw.  ist bereits bei PTOLEMAIOS, Geogr. IV, 5, 73, erwähnt (siehe auch G. WILKINSON, Topography of Thebes, London 1835, 438). Nach H. GELZER, in: ByzZ 2, 1893, 25.29, soll es sich dabei um einen Bischofssitz gehandelt haben (cf. auch H. KEES, in: RE VI a2, 1840). Auch einige aus Edfu stammende Quellen belegen diesen Ort, so z.B. oEdfou 28; oEdfou 29 und oEdfou 31. 11 Cf. E. OTTO, Bueb*, in: LÄ I, 875; J. LECLANT, in: Or 45, 1976, 299 (Nr. 37) und Or 46, 1977, 265 (Nr. 48 und Fig. 20 f.). 12 Von P. GROSSMANN und H JARITZ, in: MDAIK 30, 199, n. 1 ff., werden angeführt: G. MASPERO, L. BORCHARDT, G. STEINDORFF, J.G. WILKINSON, J. DE MORGAN, H.A. SAYCE, J. LESQUIER und O. MEINARDUS. 13 Siehe P. GROSSMANN und H. JARITZ, in: MDAIK 30, 199-214. – Bei dem von J. LECLANT, in: Or 45, 1976, 299 und Or 46, 1977, 265 angegebenen Survey im Februar-März 1975 handelt es sich nicht, wie loc.cit. angemerkt, um Untersuchungen in Qal'at al-Babên, sondern um einen Besuch der befestigten Anlage bei Abu aId, wie auf den Fig. 20 f. in Or 46, zu erkennen. Zu dieser Befestigungsanlage siehe H. JARITZ, On Three Town Sites in the Upper Thebaid, in: CRIPEL 8, 1986, 37 ff.; D. ASTON, Sherds from a Fortified Townsite near Abu aĪd, in: CCE 4, 1996, 19-45; A. EFFLAND, Materialien zur Archäologie und Geschichte, 77 ff.; L. OP DE BEEK, in: CRIPEL 24, 143 f. 86 A. EFFLAND Abb. 3: Luftbildaufnahme der befestigten Anlage von Qal’at al-Babên. Außer den von P. GROSSMANN und H. JARITZ angeführten Reisenden und Archäologen des ausgehenden 19. Jahrhunderts können jedoch noch einige weitere Personen aufgezählt werden, die in ihren eigenen Berichten die Anlage von Qal’at al-Babên erwähnen. Diese Berichte der frühen Reisenden sind um so wichtiger und interessanter, als zwei von ihnen auch Zeichnungen der Befestigungen enthalten. Diese Zeichnungen sind darum so relevant, weil insbesondere die westlichen, nilseitigen Bereiche der Befestigungsanlage durch den Bau der Bahntrasse für die Bahnlinie Luxor-Assuan gegen Anfang des 20. Jahrhunderts sehr gelitten haben;14 heute sind die Ufermauern vollständig verschwunden. Lediglich ein Photo, welches L. BORCHARDT 1896 aufnehmen konnte,15 zeigt geringe Reste einiger Partien der uferseitigen Befestigungsmauern, und so hat dieser Bereich der Festung auch nur unter Vorbehalt Eingang gefunden in die Skizze Borchardts16 und in den Übersichtsplan bei GROSSMANN und JARITZ17. Im 18. und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts scheinen diese westlichen Befestigungen noch besser erhalten gewesen zu sein, wie die unten angeführten Zeichnungen zeigen. Auch die am Fuß der befestigten Siedlung befindlichen drei größeren Steinbrüche wurden bei der Anlage des Bahndammes zum Teil stark zerstört, siehe R. und D. KLEMM, Steine und Steinbrüche im Alten Ägypten, Berlin/Heidelberg/New York 1992, 236. 15 Siehe P. GROSSMANN und H. JARITZ, in: MDAIK 30, Taf. 67c. 16 Siehe P. GROSSMANN und H. JARITZ, in: MDAIK 30, Taf. 67d. 17 Siehe P. GROSSMANN und H. JARITZ, in: MDAIK 30, 201, Abb. 1. 14 Die befestigte Anlage Qal’at al-Babên 87 Die vermutlich älteste Erwähnung der Anlage findet sich bei dem französischen Jesuiten C. SICARD (1677-1726), der in den Jahren 1714, 1716, 1718, 1720-1 und 1726 Oberägypten bereiste. Der Ort findet sich bei ihm jedoch lediglich aufgezählt in einer Liste von Monumenten und Ortschaften, welche er besucht hatte.18 Nur wenig ausführlicher von Qal’at al-Babên berichtet der im damals dänischen Glückstadt in Holstein geborene Marineoffizier F.L. NORDEN (1708-1742). Er wurde 1737-38 von Christian VI. nach Ägypten entsandt und blieb etwa ein Jahr am Nil. In dieser Zeit besuchte er auch die Befestigungsanlage und konnte sogar eine Zeichnung anfertigen19; er schreibt in seinem 1751 erschienenen Bericht: „Il y a eu autrefois, dans cet endroit, un grand nombre de Chrétiens: aujourd’hui le Village est presque ruïné, comme on peut le remarquer dans la vuë que j’en ai levée.“20 Abb. 4: Ansicht von Qal’at al-Babên von Nordwest; F.L. NORDEN, Voyage, Pl. CXIX 18 19 C. SICARD, Œuvres III, BdE 85, 1982, 168, n. 1. Glücklicherweise sind auch die Originalzeichnungen NORDENS erhalten geblieben, siehe M.-L. BUHL, Les dessins archéologiques et topographiques de l’Egypte ancienne faits par F.L. Norden 1737-1738 et conservés à l’Académie Royale des Sciences et des Lettres de Danemark, Kopenhagen 1993, 123, Nr 78 und Pl. 78. Auf Ihnen zeigt sich eine etwas nüchternere Darstellung als in der phantasievolleren Umsetzung des Kupferstichs in der Publikation. 20 F.L. NORDEN, Voyage d'Égypte et de Nubie, Kopenhagen, 1755, 184, und Pl. CXIX. 88 A. EFFLAND Abb. 5: F.L. NORDEN, Voyage, Pl. CXIX (Detail) Abb. 6: Karte des Gebietes um Edfu, von El Kilh im Norden (unten) bis zum Gebel es-Silsile im Süden (oben). F.L. NORDEN, Voyage, Pl. CXVII, mit der Angabe „Ell Buéeb óu Seraik“ Die befestigte Anlage Qal’at al-Babên 89 Die nächsten Informationen zu Qal’at al-Babên stammen von dem französischen Geographen und Kartographen J.-B. BOURGUIGNON D’ANVILLE21 (1697-1782). Dieser widmete sich bereits in jungen Jahren geographischen Studien und wurde mit 22 Jahren königlicher Geograph und später Privatsekretär des Herzogs von Orleans. Er publizierte insgesamt 211 Karten und im Jahre 1766 seine berühmte Karte Ägyptens, in die er auch die Ergebnisse der Reisen C. SICARDS einarbeitete. Diese Karte wurde in zahlreichen Werken anderer Autoren abgebildet22 und blieb bis zur Veröffentlichung des Atlas der Description de l’Egypte das wichtigste Kartenwerk für Ägypten. Abb. 7: Das Gebiet von El Kab bis Assuan. Detail der Karte von J.-B. BOURGUIGNON D’ANVILLE 21 22 Cf. auch M.L. BIERBRIER/W.R. DAWSON/E.P. UPHILL, Who was Who in Egyptology, London ³1995, 58. So bei C.N.S. SONNINI DE MONONCOUR, R. POCOCKE oder J. ANTES. 90 A. EFFLAND 1766 publizierte er auch seine eigenen Erinnerungen.23 Er schreibt darin: „On voit dans Ptolémée en position intermédiaire de la ville de Lucine à Ombos, un lieu nommé Toum, à l’écart du fleuve. Ce fleuve sur sa rive droite que nous souivons, & au-dessus d’Edfu, est dominé par une hauteur, au sommet de laquelle un lieu aujourd’hui tout en ruines, est appelé el-Bueib, ou la Porte, & l’avantage de cette situation peut faire croire qu’elle n’étoit point négligée dans l’antiquité. Rappelons même ici, qu’un lieu de l’Égypte inférieure portant un nom semblable, répond dans la place qui lui convient à ce qui porte également le nom d’elBueib. Mais voici une autre situation plus remarquable encore, dans un endroit qui conserve quelques restes des édifices qui distinguent les anciens Égyptiens. En remontant plus haut que le Bueib, le fleuve se trouve refferé par deux montagnes opposées directement l’une à l’autre, & que la tradition veut avoir été liées autrefois par une chaîne attachée de part & d’autre, à un pilier ou une masse de rocher qui existe, & cet endroit est nommé Gebel-elSilsili, ou Mont de la Chaîne.”24 Ein weiterer Bericht stammt aus der Feder des deutschstämmigen britischen Künstlers F.W. FAIRHOLT25 (1814-1866). Zahlreiche Buchillustrationen zu verschiedenen Themen wurden von ihm angefertigt. Ein wichtiges Interessengebiet war die Antike. In den Jahren 1859-60 bereiste er Ägypten bis nach Abu Simbel. Dabei stattete er auch Qal’at al-Babên einen Besuch ab, wobei ihm auch eine Zeichnung dieser Anlage gelang: „After leaving Edfou the river assumes a placidity and loneliness which characterise it as far as Assouan. On the eastern shore the inhabitants are thinly scattered, and are members of the Arab tribe of Ababdeh, which occupies the country between the Nile and the Red Sea, […]. There is nothing to call for especial remark on the river until the picturesque ruins of the old Arab city of Booayb are seen on the eastern bank. The sketch was taken to the south of the town, as it is seen coming down the river from Assouan. It is now entirely deserted, left to slow decay, and tenanted only by wild creatures. It is constructed on the sloping side of the hill, and has been entirely encircled by a curtain wall, connected with round towers at intervalls, and with a citadel on the summit of the rock. It is probably of mediæval date, when only such a system of fortification could be of use or value. It greatly resembles many of the smaller fortified towns of the middle ages on the Moselle, Maine, and Danube; having a remarkable similarity in aspect and construction to Durrenstein, on the last-named river, celebrated as the place of captivity of our Richard Cœur-de-Lion, after his hurried return from the crusades. It is quite J.-B. BOURGUIGNON D’ANVILLE, Mémoirs sur l’Égypte ancienne et moderne suivis d’une Description du Golfe Arabique ou de la Mer Rouge, Paris 1766. 24 J.-B. BOURGUIGNON D’ANVILLE, Mémoirs, 212-213. 25 Cf. M.L. BIERBRIER et al., Who was Who in Egyptology, 146 f. 23 Die befestigte Anlage Qal’at al-Babên 91 possible that the system of fortification which we term Edwardian, and which has for its principal features this enciente of wall and tower, may have had its origin in the experiences of the warriors of the cross, during their career in the East, 26 when bow and arrow, and catapult, were powerless to do very serious harm to these well-walled cities crowded with a half-savage soldiery.”27 Abb. 8: Ansicht von Qal’at al-Babên von Südwesten; F.W. FAIRHOLT, Up the Nile, 361 Zur anhaltenden Diskussion um den Einfluß der Kreuzzüge und der orientalischen Fortifikation auf den abendländischen Burgenbau siehe z.B. C. SCHUCHHARD, Die Burg im Wandel der Weltgeschichte, Nachdruck der Erstausgabe von 1930, Essen o.J., 268 ff.; D. BURGER, Burgen der Kreuzfahrer im Heiligen Land, in: H.-J. KOTZUR (Hrsg.), Kein Krieg ist heilig. Die Kreuzzüge, Mainz 2004, 117-135, bes. 132 f.; cf. aber auch Ch. BOURAS, The Impact of Frankish Architecture on Thirteenth-Century Byzantine Architecture, in: A.E. Laiou und R.P. Mottahedeh (Hrsg.), The Crusades from the Perspective of Byzantium and the Muslim World, Dumbarton Oaks 2001, 247-262. 27 F.W. FAIRHOLT, Up the Nile, and Home Again. A Handbook for Travellers and a Travel-Book for the Library, London 1862, 360-362. 26 92 A. EFFLAND Zum Abschluß sei noch der Bericht von G.A. HOSKINS28 (1802-1863) erwähnt.29 Der britische Reisende und Künstler besuchte Ägypten bereits 1832-3 und arbeitete mit ROBERT HAY u.a. in Qurna und während einer Reise nach Charga.30 Während seiner zweiten Reise nach Ägypten, 1860-1 kam er auch nach Qal’at al-Babên: „After leaving Edfoo, our view to the west was bounded by the horizon, but we had on our left a range of sand-hills, and numerous groups of palms. The hills became more picturesque towards evening, especially at Gebel Sesay, which rises precipitately from the river, separated from it only by a fringe of cultivated land. The river narrows rapidly, and the general character of the views is wilder and more desolate. The upper part of some of these rocks near the river being in many places quite perpendicular, so different from the general monotonous form of the sand-hills adjoining, leads me to think that they have been quarried. Shortly afterwards, on the slope of one of these hills, we saw the extensive and picturesque ruins of an ancient Arab town, called Booayb, with very thick walls; and observed, near the summit of the hill, a large round tower, wide at the base, and gradually narrowing. There appeared, also, to be the ruins of a mosk with arches. The town may well be deserted, as there is barely enough arable land in it to sustain a single family.”31 Durch den erst vor kurzem erfolgten zweigleisigen Ausbau der Eisenbahnstrecke zwischen Edfu und Assuan durch die Egyptian National Railway ist erneut das Areal bei Qal'at alBabên in Mitleidenschaft gezogen worden;32 wertvolle Informationen sind verloren gegangen, aber wertvolle Informationen finden sich noch immer auch in den alten Reiseberichten. Die vorgelegten Berichte und die Zeichnungen zeigen, daß die Durchsicht alter Reiseliteratur, insbesondere archäologisch bislang wenig beachtete Gebiete betreffend, ausgesprochen lohnend sein kann. Cf. M.L. BIERBRIER et al., Who Was Who in Egyptology, 209. Neben G.A. HOSKINS und den vorstehend Angeführten könnte man allerdings auch noch weitere nennen, die bei P. GROSSMANN und H. JARITZ, in: MDAIK 30, noch nicht erwähnt wurden, so G. DARESSY (in: RecTrav 10, 1888, 141 f.), A.E.P. WEIGALL (A Guide to the Antiquities of Upper Egypt, London 1910, 355) und eventuell H. DE MORGAN (in: Needler, Predynastic and Archaic Egypt, 1984, 64) sowie C.E. Wilbour/J. Capart (Hrsg.), Travels in Egypt. December 1880 to May 1891. Letters of Charles Edwin Wilbour, Brooklyn 1936, 555). 30 Er publizierte über diese Zeit Travels in Ethiopia, London 1835, sowie Visit to the Great Oasis of the Libyan Desert, London 1837. 31 G.A. HOSKINS, A Winter in Upper and Lower Egypt, London 1863, 269-270. 32 Siehe B. KLEB und Á. TÖRÖK, Engineering Geological Survey for Railway Extension in the Nile Valley, in: Periodica Polytechnica, Ser. Civil Engineering, Vol. 43,2, 1999, 127-142. 29 28
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