Bericht über drei Surveys im Gebiet zwischen Hager Edfu und Nag' el-Hisaja more

in: Die Inschriften des Tempels von Edfu; Begleitheft 5. EDFU: Bericht über drei Surveys; Materialien und Studien, 1999, 40-68 (A. Effland/D. Kurth/E. Pardey/W. Waitkus)

Andreas Effland, Dieter Kurth, Eva Pardey, Wolfgang Waitkus BERICHT ÜBER DREI SURVEYS IM GEBIET ZWISCHEN HAGER EDFU UND NAGa EL-HISAJA Im Rahmen der Kampagnen des Edfu-Projekts, die der Kollationierung der Inschriften des Tempels dienten, wurden auch drei Surveys im westlichen Wüstenrandgebiet zwischen Hager Edfu im Norden und Naga el-Hisaja im Süden durchgeführt.1 Zielsetzung war es, nach Überresten der heiligen Stätte der Urgötter von Edfu, Behedet genannt, zu suchen2. Dieser heilige Bezirk von Behedet wird in zahlreichen Inschriften des Edfutempels erwähnt, besonders in jenem Text, der das vierzehntägige „Fest von Behedet“ beschreibt3. Den textlichen Quellen zufolge lag dieses Behedet südlich bzw. süd-westlich des Tempels von Edfu. Zu diesem Bezirk gehörten u. a. ein unterer Tempel, ein oberer Tempel, ein Lebenshaus, ein Osirisgrab und Stationskapellen. Zunächst wurde der Berg nördlich des heutigen Pachomiusklosters von Hager Edfu untersucht. Die dort befindlichen zahlreichen Felsgräber lassen im derzeitigen Zustand keine Beschriftung und Dekoration erkennen. Eine Datierung dieser Anlagen bleibt daher bis auf weiteres sehr problematisch, zumal auch keine Funde hieraus bekannt sind und auffallende Architekturelemente fehlen. Südlich davon schloß sich eine Begehung der Grabanlagen am Berg westlich des Klosters an. Es finden sich dort das bereits bekannte Grab des Sa-ta-im4, unmittelbar nördlich davon ein Felsgrab mit ähnlichem Grundriß allerdings ohne Darstellungen und Inschriften, ein weiteres Grab mit aus dem Felsen herausgearbeiteten Statuen in der rückwärtigen Nische (im folgenden „Statuengrab“ genannt) sowie zahlreiche kleinere Gräber, vorwiegend Einkammergräber. Einige dieser kleineren 1 2 3 4 Teilnehmer der Kampagnen vom 16.02. bis 16.03.1995 sowie vom 01.02. bis 15.02.1996 unter der Leitung von D. Kurth waren D. Budde, W. Waitkus und S. Woodhouse. Cf. LECLANT/ CLERC, in: Or 65, 1996, 315 f.; Or 66, 1997, 313. Der dritte Survey, am 13.10.1998, beschränkte sich auf das Kollationieren einiger Inschriften im Grab des Sa-ta-im und auf das Gebiet westlich der Nekropole von Naga el-Hisaja, Teilnehmer neben dem Projektleiter waren A. Effland, E. Pardey und W. Waitkus. Cf. KURTH, in: GM 142, 1994, 93 ff. Cf. KURTH, Treffpunkt der Götter, Zürich München 1994, 156 ff. Siehe GABRA, in: CdE 52, 1977, 207 ff. Bericht über drei Surveys 41 Gräber enthalten koptische Graffiti, ansonsten waren bei der Untersuchung keine Dekoration und auch keine weiteren Inschriften in ihnen festzustellen. Sichere Anhaltspunkte für eine Datierung eines Teiles der Nekropole in das Mittlere Reich bzw. in die Zweite Zwischenzeit, wie sie sich in der Literatur findet5, ergaben sich nicht. Die Möglichkeit ist nicht auszuschließen, daß eine Anzahl von ihnen aus etwa derselben Zeit stammt wie die zwei oben genannten großen Gräber, d. h. aus dem (frühen) Neuen Reich, und somit als eine Art Klientelgräber anzusehen sind, die in späterer Zeit u. a. als Grab und Einsiedelei koptischer Mönche wiederbenutzt wurden. Funde6 aus diesem Gebiet lassen keine sichere Datierung der Grabanlagen zu. Möglicherweise sind jedoch auch Gräber, die in älterer Literatur erwähnt werden, heute wieder verschüttet. Etwa 12,5 m nördlich des Grabes des Sa-ta-im7 liegt ein größeres anonymes Grab, das oben genannte „Statuengrab“ (Abb. 1). Es besteht aus einem großen Raum mit leicht gewölbter Decke, in der Rückwand öffnet sich eine Statuennische.8 Vor dieser führt in der rechten, nördlichen Seitenwand ein Durchgang zu einem kleineren zweiten Raum mit einem Grabschacht (siehe Planskizze). In der Nische befinden sich die aus dem Felsen herausgearbeiteten überlebensgroßen Sitzstatuen von zwei Frauen und einem Mann, an dessen rechter Seite, auf dem Sitzpodest stehend, noch die Reste einer Kinderfigur erhalten sind (Abb. 2). Die Frauen tragen das klassische glatte enge Gewand und eine dreiteilige Strähnenperücke, deren einzelne Teile sehr deutlich voneinander abgesetzt sind. Die Frauenfiguren sind auffallend schlank. Dazu steht im Kontrast die gedrungenere männliche Figur; bemerkenswert sind bei dieser Figur die vor der Brust gekreuzten Arme. Die Gesichter der drei Statuen sind zerstört. Die für das Mittlere Reich typische Form des Felsgrabes mit längsorientierter Mittelachse, die auf eine Statuennische hinführt9, wie sie hier vorliegt, ist in Edfu (Grab des Sa-ta-im) und in der näheren Umgebung in Elkab (Gräber des Paheri und des Reneni10) sowie in Hierakonpolis (Gräber des Djehuti und des Hor-mes11) auch 5 6 Cf. EFFLAND, in: EB 5, 25, n. 19 und 28, n. 35. Zu den bisher gemachten Funden, ausschließlich aus ptolemäischer, römischer und koptischer Zeit, cf. EFFLAND, in: EB 5, 38. 7 Gemessen von der nördlichen Türlaibung des Sa-ta-im-Grabes bis zur südlichen Türlaibung des „Statuengrabes“. 8 Die augenscheinlich einzige sichere Erwähnung dieses Grabes findet sich bei MEHLING (Hg.), Knaurs Kulturführer in Farbe. Ägypten, Augsburg 1998, 140. 9 Cf. Di. ARNOLD, in: LÄ II, 832, s. v. „Grab“. 10 Zu den Grundrissen der genannten Gräber s. PM V, 178. 42 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus noch in der ersten Hälfte der 18. Dynastie belegt. Dadurch ist eine Datierung des Grabes in das Mittlere Reich aufgrund der Architektur nicht zwingend. Aus stilistischen Gründen stammt das Grab vermutlich aus der ersten Hälfte der 18. Dynastie.12 Etwaige Inschriften und Darstellungen auf den bereits geglätteten, allerdings stark geschwärzten Wänden sind im heutigen Zustand nicht zu erkennen. Es gibt jedoch einige sekundär angebrachte hieratische Graffiti darin, in unterschiedlichem Erhaltungszustand. Sie finden sich vor allem auf der Südwand des Hauptraumes. Sichtbar wurden die Graffiti erst, nachdem sie mit klarem Wasser befeuchtet worden waren. Da das Wasser schnell verdunstete, war es nicht möglich, die Texte vor Ort zu kopieren. Sie wurden photographiert, um sie zu Hause lesen zu können. Auf den Photos zeigte sich, daß die meisten Texte bis auf wenige isolierte Gruppen unleserlich waren. Einer von ihnen ließ sich jedoch zum größten Teil entziffern (Abb. 3): ¡r BHdtj ntk pA Sw wbn n.j [... ... ...] jrj.n pAj.f sS Nxt-Mn sA Jmn-mc aq t(A) wnwt n(t) Xn(t) m rnpt-sp 51 n ncwt bjt öWcr-mAat-Ra ctp-n-RaÄ anx wDA cnb Hr fAjt [...] mcw n %BHdtj& „(O) Horus Behedeti, du bist das Licht, das für mich aufgehta), [... ... ...]b)“. Gemacht von seinem Schreiber Necht-Minc), dem Sohn des Imen-mesd), der (hier) eingetreten ist, jetzte) am Fest der Ruderfahrtf) im 51. Regierungsjahrg) des Königs von Ober- und Unterägypten öUser-Maat-Re Setep-en-Reh)Ä, er lebe, sei heil und gesund, als er herbeitrug [...]i) der Kinder des %Behedeti&. 11 12 Zu den Grundrissen der genannten Gräber s. PM V, 198. Bei aller gebotenen Vorsicht bei einem Vergleich von Rundplastik und Flachbild sei dennoch auf die auffallende Ähnlichkeit der Frauenstatuen mit den langen schlanken Figuren der Frauen und Mädchen im nahegelegenen Grab des Sa-ta-im verwiesen. Bericht über drei Surveys 43 Anmerkungen zum Text: a) Bei dieser kurzen Anrufung an Horus Behedeti handelt es sich um ein Zeugnis persönlicher Frömmigkeit; cf. ASSMANN, ÄHG, 351 ff. Zur Verbindung von Sw und wbn cf. Wb IV, 431, 4 (Belegstelle). Zum Inhalt cf. ASSMANN, op. cit., 361, 9; 368 (168, 5); 416, 9. b) Das erste Zeichen der Lücke kann ein sein, doch die restlichen Zeichen sind so abgerieben, daß eine Lesung nicht ohne weiteres möglich erscheint. c) RANKE, PN I, 210, 17. d) RANKE, PN I, 29, 8. e) Die Lesung ist etwas unsicher, zum einen wegen der Schreibung des tA ohne A, zum anderen wegen des starken Abriebs gegen Ende der Gruppe. f) Man denkt an die Ruderfahrten im 1. und 2. Monat der Peret-Jahreszeit. Cf. ALTENMÜLLER, in: LÄ II, 176 f. g) Die Angabe „21. Regierungsjahr“ in Or 65, 1996, 315, ist entsprechend zu korrigieren. h) Zur Schreibung cf. z. B. Y. KOENIG, Catalogue des étiquettes de jarres hiératiques de Deir el-Medineh, Fasc. 1, PIFAO, Documents de fouilles, XXI/1, 1979, Pl. 15, Nr. 6134. i) Man erwartet ein Wort der Bedeutung „Opfergaben“; die Zeichenreste würden zu passen, aber beim Zustand des Textes an dieser Stelle bleiben Zweifel. Die kleine Besucherinschrift wurde vom Schreiber des Horustempels Necht-Min angebracht, als er anläßlich eines Festes, das mit einer Ruderfahrt verbunden war, im 51. Jahre Ramses II. dieses Grab in Hager Edfu besuchte. Kein Zweifel kann daran bestehen, daß Necht-Min den Horus von Edfu von ganzem Herzen verehrte. Anderes läßt sich nur als Frage formulieren. Gab es damals, wie es heute der Fall ist, einen Kanal zwischen Edfu und Hager Edfu? Hat Necht-Min dieses Grab aufgesucht, um dort aus privater Frömmigkeit seine Anrufung an Horus Behedeti niederzuschreiben, und zwar dann als er anläßlich des Festes offiziell in Hager Edfu war? Wie verhält sich diese Fahrt nach dem alten Behedet des Neuen Reiches (Hager Edfu) zur Fahrt nach dem spätzeitlichen Behedet (Naga el-Hisaja), von dem die Inschriften des Tempels von Edfu berichten? Entsprechen die „Kinder des Behedeti“ den im Tempel von Edfu genannten „Kindern des Re“, also den verstorbenen Götterahnen? Mit der Nennung des 51. Jahres Ramses II. ergibt sich zwar ein sicherer terminus ante quem für die Anlage dieses Grabes, für eine genauere zeitliche Eingrenzung 44 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus stehen zur Zeit lediglich stilistische Kriterien zur Verfügung, die für das frühe Neue Reich sprechen. 3,2 m E 3,5 m Statuennische 3,6 m 3m C F 0,86 m 0,68 m Schacht A 0,83 m B 3,98 m 0,66 m 2,95 m 10,07 m 10,55 m N D 0,37 m 2,07 m 4,74 m Skizze des „Statuengrabes“ Weitere Maßangaben: - Hauptkammer Bericht über drei Surveys 45 Der mittlere Türpfosten ist 0,15 m im Verhältnis zur inneren Türlaibung zurückgesetzt. Die Decke des Raumes der Hauptkammer ist im Gegensatz zu derjenigen der Statuennische leicht gewölbt. Die Strecke C-D beträgt 11,72 m. Höhenmessungen waren wegen des teils hoch aufliegenden Schuttes nicht möglich. - Statuennische Höhe des Sockels: 0,63 m Tiefe des Sockels: 0,87 m Die Strecke E-F beträgt 4,85 m - Schachtraum Entfernung des Schachtes von der Westwand: 0,25 m Schachtmaße: 2,5 x 1,1 m Tiefe: 3 + x m Deckenhöhe an Punkt A: 2,03 m Deckenhöhe an Punkt B: 1,8 m Es führen zwei Stufen in diese Kammer Rücksprung der ersten Stufe in Laibung: 0,35 m Höhe: 0,17 m Rücksprung der zweiten Stufe: 0,45 m Höhe: 0,17 m Südlich des „Statuengrabes“ und unmittelbar nördlich des Sa-ta-im-Grabes befindet sich ein weiteres Felsgrab, welches durch einen Durchbruch mit diesem verbunden ist. Die Anlage ist weitgehend mit der des Sa-ta-im identisch. Die Wände sind unterschiedlich sorgfältig geglättet, im oberen Bereich besser als im unteren. Für das Werkverfahren ergibt sich daraus, daß die Glättung von oben nach unten erfolgte. Im heutigen Zustand lassen sich auf den Wänden lediglich sekundär angebrachte Graffiti erkennen. Eines davon, in der Mitte der Südwand des Hauptraumes, läßt in unterschiedlich kursiven Zeichen folgendes erkennen: [...] dj ¡r BHdtj ¢ncw Ob hier ein Personenname vorliegt, analog zu ¨j-Jmn-¢ncw (RANKE, PN I, 431.20; II, 405) oder PA-dj-¡r-Ra (RANKE, PN II, 285.4)? Das einzige bisher zumindest teilpublizierte Grab des Gebietes von Hager Edfu ist das des Sa-ta-im. Seit der teilweisen Reinigung und ersten Aufnahme des Grabes durch GABRA wurde es in der Zwischenzeit noch weiter vom Schutt befreit und 46 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus gereinigt, so daß heutzutage einige der Inschriften und auch der Darstellungen etwas besser und vollständiger zu erkennen sind. Daraus ergeben sich einige Nachträge, Zusätze und Korrekturen zu der Publikation von GABRA13. Weiteres muß einer ausführlichen Publikation des Grabes vorbehalten bleiben. Aus Zeitgründen war es nicht möglich, die Texte vor Ort zu kopieren. Sie wurden photographiert, um sie zu Hause lesen zu können. B A F X1 I A' C X2 N Skizze des Sa-ta-im-Grabes Der untere Teil des Textes A sowie die Inschrift A' waren zu Gabras Zeit noch verschüttet.14 Eingangsbereich: Text A (linker Türrahmen): → 1 2 1 [¡r] %kA-waf-tAw& Nbtj aA-%nrw& [... ... ...] %nTr& nfr nb Aw(t)-jb 2 %nb& xa(w) jTj nfr-HDt ncwt bjt ö©cr-kA-RaÄ [... ... ... ...] Dt nHH 1 [Horus] %Stier,-der-die-Länder-bezwingt&, die Beiden Herrinnen Groß-an%Schrecken& [... ... ...], der vollkommene %Gott&, der Herr der Herzensfreude, 2 der %Herr& der Krone(n), der die Weiße Krone ergreift, König von Ober- und Unterägypten öDjeser-ka-ReÄa) [... ... ... ...] in alle Ewigkeit. 13 14 GABRA, in: CdE 52, 1977, 211 ff. Siehe GABRA, op. cit., 208, fig. 2. Bericht über drei Surveys 47 Anmerkung zum Text: a) Zur Abfolge der Epitheta und der Verbindung von nb xaw mit folgendem Thronnamen cf. z. B. URK. IV, 296, 3 f. Text A' (rechter Türrahmen): ← (?) 1 2 (?) 1 [¡r kA-waf-tAw] %Nbtj aA-nrw& [¡r-nbw] %wAH rnpwt& nTr nfr nb Aw(t)-jb 2 [... ...] sA Ra öJmn-HtpÄ [... ... ... ...] Dt nHH 1 [Horus Stier,-der-die-Länder-bezwingt], %die Beiden Herrinnen Groß-anSchrec??ken&, [Goldhorus] %Dauernd-an-Jahren&, der vollkommene Gott, der Herr der Herzensfreude, 2 [... ...] Sohn des Re öAmenophisÄ [... ... ... ...] in alle Ewigkeit. Rechts (nördlich) von dieser Inschrift befindet sich auf der nur grob geglätteten Oberfläche der Fassade in vertieftem Relief die Darstellung einer Hathorkuh mit Sonnenscheibe zwischen den Hörnern. Die Ausführung ist jedoch weniger qualitätvoll im Vergleich zur Darstellung der Hathor in der xbAt-Barke im Inneren des Grabes (Nordwand der Nische, I).15 Innenraum, südliche Hälfte der Ostwand, B: Szene mit Darstellung des Fischespeerens16 Vor dem in einem Papyrusboot stehenden Grabherrn ist seine ihm zugewandte Tochter zu erkennen. Hinter ihm steht seine Frau und hinter dieser wiederum sein Sohn. Von den in Malerei ausgeführten Texten über dem Arm des Grabherrn, die GABRA noch gesehen hat17, ist auf den Photos nichts mehr zu erkennen. Hingegen sind einige vertikale Inschriftzeilen, die GABRA noch nicht sehen konnte, heute lesbar. Sie nennen die Namen der Familienangehörigen. Die Beischriften, welche 15 16 17 Cf. GABRA, op. cit., 221; dazu s. u., n. 28. - Man beachte auch den offiziellen Namen des Sata-im ¡t-Hr-m-xbAt, der zumindest innerhalb seiner Familie eine enge Bindung an die Göttin Hathor erkennen läßt. Photos 4444 ff. des Edfu-Projekts. GABRA, op. cit., 212; 214, fig. 4 (oben rechts). 48 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus sich jeweils vor den beiden Frauen befinden, sind ebenfalls in Malerei ausgeführt. Sie lauten: zur Tochter: → %sAt.f JaH-mcw& %Seine Tochter Ah-mes&. zur Gattin: ← 1 2 %Hmt&.f nbt pr JaH-mcw Seine %Gattin&, die Hausherrin Ah-mes. Die Beischrift zum Sohn, nicht in Malerei, sondern in vertieftem Relief über ihm angebracht, lautet: ← sA.f %Jmn&-Htp Sein Sohn %Imen&-hetep. Innenraum, nördliche Hälfte der Ostwand, C Die Szene, die, wie GABRA damals meinte18, den Grabherrn beim Vogelfang zeigt, ist heute etwas besser zu erkennen. Unter dem Bug des Papyrusbootes befindet sich die Darstellung eines in Fahrtrichtung des Bootes im Wasser sitzenden Nilpferdes mit zurückgewandtem Kopf19. Es handelt sich hierbei offensichtlich eher um eine Szene der Nilpferdjagd. Von einer Harpune ist allerdings beim heutigen Zustand nichts zu erkennen.20 Innenraum Südwand, westl. Hälfte, Szene F Ergänzend zur Beschreibung der Szene durch Gabra21 ist zu erwähnen, daß sich unterhalb der Bankettszene eine Darstellung des sitzenden Grabherrn bei der Überwachung einer Getreidelieferung befindet. Zu erkennen ist das Abmessen des Getreides sowie das Notieren der Getreidemenge durch einen Schreiber.22 Innenraum, Westwand, rechts und links vom Eingang zur Nische23 18 19 20 21 22 23 GABRA, op. cit., 213. Photos 4447 f. des Edfu-Projekts. Zur Nilpferddarstellung im Flachbild cf. BEHRMANN, Das Nilpferd in der Vorstellungswelt der Alten Ägypter II, Europ. Hochschulschriften Reihe XXXVIII Archäologie, 1996, 32 f. GABRA, op. cit., 218. Photo 4449 des Edfu-Projekts. Cf. z. B. die Darstellung im Grab des Paheri in Elkab (TYLOR/GRIFFITH, The Tomb of Paheri at El Kab, MEES 11, 1894, Pl. III), das nicht nur geographisch, sondern auch zeitlich dem Sa-ta-im-Grab nahesteht. Siehe GABRA, op. cit. 218 ff. Bericht über drei Surveys 49 Von diesen Texten in jeweils vier vertikalen Kolumnen ist heute wesentlich mehr erkennbar. Über diesen Inschriften befinden sich zwei schlecht erhaltene horizontale Textzeilen auf dem Sturz, die jedoch unter den jetzigen Gegebenheiten derzeit nicht lesbar sind. Südliche Hälfte der Westwand X124 → 1 2 3 4 1 %Hswt& nt xr ncwt r Hwt-nTr nt ¡r BHdtj rdj.n n.(j) nb.(j) Hswt rdj.f %rdj&.tw.j r XrjHb 2nw n ¡r [BHdtj¿ Lücke von X Quadraten] 2 wHm.n n.(j) nb.(j) Hst m %mnj(t.j)& [m¿] %twt&.f rdj [.] %wcxt tn ntt& m rA-pr pn %jrj aqw&.f %cmnx& r [.. Lücke von X Quadraten] 3 tA pcS %180& Hnqt ds 6 wabt %..& [... .].. %pcSt& [... ...] AHt %xrw& sTAt 5 qAjt sTAt 30 cmn [... Lücke von X Quadraten] 4 n¿ nHH %cxA& n Dt m %wDt ncwt& öNb-pHtj-RaÄ mAa-%xrw HqA& ... [...] %jTj tAwj& m pr jt.f ¡r BHdtj [... Lücke von X Quadraten] 1 %Gunsterweisea)& durch den König in bezug auf den Tempel des Horus Behedeti: Mein Herr erwies mir die Gunst, indem er veranlaßte, daß ich %eingesetzt& wurde zum zweiten Vorlesepriester des Horus [Behedeti? Lücke von X Quadraten]. 2 Mein Herr erwies mir eine weitere Gunst mit dem %Überweisen& seiner %Statue (an mich)&b), die aufgestellt war [in]c) %diesem Hof, derd)& in diesem Tempel ist. Ihre (der Statue) %Einkünfte wurden verliehene)&, %...& .[.. Lücke von X Quadraten] 24 Cf. GABRA, op. cit., 220, fig. 7, links. 50 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus 3 Brot: %180f)& Anteile, Bier: 6 Des-Krüge, Fleischstücke: %..& [... .]..g) %Anteile& [... ...]h), Felder: 5 Aruren %Niederland& und 30 Aruren Hochlandi) ... [... Lücke von X Quadraten]. 4 in Ewigkeit, %Erinnerung& in Ewigkeitj), als %das, was der König& öNeb-pehti-ReÄ, %gerechtfertigt, überwiesen hat, der Herrscher& ... [...], %der die beiden Länder ergreift&, im Hause seines Vaters Horus Behedeti [... Lücke von X Quadraten]. Anmerkungen zum Text: a) Im Text wird in der Regel das 1. Pers.Pron.Suffix nicht ausgeschrieben, ob an dieser Stelle Hswt.j, „die mir gewährten Gunstbeweise“, zu lesen ist? b) Zu der hier vorliegenden Aussage cf. URK. IV, 30, 15; 31, 10. Zur Konstruktion von mnj mit m siehe Wb II, 74, 15. c) Möglich ist auch die Lesung , jmj; also: „die Statue, die sich in diesem Hof befindet“. d) Die Schreibung ntj statt ntt ist sicher. e) Zu jrj aqw siehe Wb I, 233, 1. f) Vom Platz und der Anordnung sowie den Resten im Stein kommen nur in Frage. g) Die Zeichenreste lassen evtl. eine Lesung , cpHt, „Fleischstück“ oder , ctpt, „(ausgelöstes) Fleischstück“, zu; cf. Wb IV, 105 und 336, 14 ff. h) Die Zeichenreste im Stein lassen sich nicht sicher identifizieren. i) Vergleichbare Einkünfte werden auch erwähnt in URK. IV, 30, 17 ff.; 31, 12 ff. j) Cf. evtl. URK. IV, 62, 8: cxAt.f ... n Dt. Nördliche Hälfte der Westwand X2 ← 1 Quadrate Lücke. Insgesamt ca. 7 2 noch ca. 6 Quadrate Lücke. Danach 3 schwache Reste im Stein, am Ende noch ca. 5 1/2 Quadrate. die nächsten anderthalb Quadrate 4 unleserlich; insgesamt X Quadrate Lücke. Der Rest der Zeile ist Bericht über drei Surveys 51 1 j anxw tp %tA j Xrj-Hb& nb j sS nb j %srw¿& [nb¿ insgesamt ca. 7 Quadrate Lücke] 2 %Hs& Tn nTrw.Tn %cwD&.Tn %jAwt&.<T>n prw.Tn %Tsw& n Xrdw/mcw.Tn cwA.Tn Hr %...& [.. danach noch insgesamt ca. 6 Quadrate Lücke ... Dd.Tn] 3 Htp dj %ncwt& ¡r BHdtj %Wcjr& Hrj-jb Mcqt %rdj.cn& prt-Xrw tA Hqt kAw Apdw xA m [... insgesamt ca. 7 Quadrate Lücke] 4 Dd n.f ŸA-tA-jm jr.n Hrj¿ n %... .. Xrw& [... insgesamt X Quadrate Lücke]. 1 O, Lebende auf %Erden&a), o, jeder %Vorlesepriester&, o, jeder Schreiber, o, [alle?] %Beamte?b)& [..., insgesamt ca. 7 Quadrate Lücke ..., wenn ihr wünscht,] 2 daß eure Götter euch %Gunst erweisen&, daß ihr eure %Ämter&c), eure Häuser und %das Vieh&d) an eure Kindere) %weitergebt&, und wenn ihr vorbeigeht an %...&f) [.. insgeg) samt ca. 6 Quadrate Lücke ... dann sprecht :] 3 „Ein Opfer-das-der-König-gibt und Horus Behedeti sowie %Osiris&, der in Mesqeth) weilt, sie mögen ein Totenopfer geben mit Brot, Bier, Rindern und Geflügel, bestehend aus Tausend an [... insgesamt ca. 7 Quadrate Lücke ... für (den Ka des o. ä.)? Hathor-em-chebati),] 4 der (auch) Sa-ta-imj) genannt wird, gezeugt? vonk) dem Obersten von %... .. Angehörige& [... insgesamt X Quadrate Lücke].“ Anmerkungen zum Text: a) Das Zeichen ist im Original seitenverkehrt. b) Die Lesung ist nicht sicher, evtl. auch wrw. Zur Lesung cr cf. z. B. M. LICHTHEIM, Maat in Egyptian Autobiographies and Related Studies, OBO 120, 1992, 165 ff. c) Das ist sehr wahrscheinlich, im Original jedoch seitenverkehrt. Das steht für , hier liegt offensichtlich eine Haplographie des t vor. d) Zu Tsw cf. pLansing 11, 7 (GARDINER, LEM, 110, 7 f.). Häuser ist hier im weiteren Sinn als Besitz, Vermögen, auch im Sinne von Amtsvermögen gebraucht. Zur engen Beziehung von pr und jAt siehe QUIRKE, in: RdE 37, 1986, 108. e) steht für ; es liegt offensichtlich eine Haplographie der Pluralzeichen vor. f) Die in diesen Aussagen häufig belegte cDm.tj.fj-Form (siehe GARDINER, EG, 280, § 363) wurde hier nicht verwendet. Danach muß eine Bez. für „Grab“ o. ä. gestanden haben, ob js? Die Reste können dazu passen. Zur Schreibung von js mit siehe Wb I, 126. 52 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus g) Zur Ergänzung (innerhalb von „Anrufungen an die Lebenden“) cf. LICHTHEIM, op. cit., 161 ff. und z. B. URK. IV, 48, 3 ff., besonders 6. h) Cf. Wb II, 149, 15 f. und EGBERTS, In Quest of Meaning I, Leiden 1995, 292 f. Allerdings ist es nicht zwingend, daß an dieser Stelle mcqt die Nekropole von Edfu bezeichnet, ebensogut ist z. B. an die Bezeichnung der thebanischen Nekropole zu denken. i) Zur Ergänzung des Namens an dieser Stelle cf. GABRA, in: CdE 52, 1977, 214, fig. 4 (oben rechts und unten). Zur Lesung des Namens cf. GABRA, op. cit., 212, n. 1; L. MORENZ, Beiträge zur Schriftlichkeitskultur, ÄAT 29, 1996, 177, mit n. 781 f. j) Zur Bildung des Namens cf. ŸA-pA-jr, RANKE, PN I, 281, 24. k) Nach der Namensnennung des Grabherrn ist eine Filiationsangabe, eingeleitet durch jr.n, zu erwarten. Die folgenden Zeichenreste im Stein erlauben keine sichere Lesung, so daß z. Zt. eine genauere Aussage zu Titel und Namen des Vaters nicht möglich ist. Während der Text X2 einen „Anruf an die Lebenden“ enthält in der Form, wie er im Mittleren und Neuen Reich üblich ist, beinhaltet der Text X1 biographische Aussagen, bei denen „Königliche Gunstbeweise“ für Sa-ta-im im Mittelpunkt stehen. Erwähnt wird einmal seine Ernennung zum zweiten Vorlesepriester am Horustempel von Edfu zum anderen die Überweisung von Einkünften und Ländereien an ihn, diese erhielt er für seine Verantwortung für den Kult an einer Königsstatue. Der Text weist auffallende Parallelen zu der ebenfalls aus Edfu stammenden, etwas jüngeren Stele des Jwf (CG 34009)25 auf. Die Titulatur des Sa-ta-im als [Xrj-Hb] 2nw ¡r BHdtj Hnkj n öNb-pHtj-RaÄ mAa-xrw, „zweiter [Vorlesepriester] des Horus Behedeti, Opferverwalter (der Statue) des öNeb-pehti-ReÄ, gerechtfertigt“, die schon bei GABRA als Beischrift zur Szene D wiedergegeben wurde26, findet in den hier geschilderten Ereignissen ihren biographischen Hintergrund. Damit bestätigt sich die von GABRA27 geäußerte Vermutung über einen Statuenkult des Ahmose in Edfu. Aus dieser Titulatur ergibt sich, daß der in der vorliegenden biographischen Inschrift nicht namentlich genannte König und Herr des Sa-ta-im König Ahmose war, der ihn bei seiner eigenen königlichen Statue zum Opferverwalter (Hnkj) einsetzte, und nicht dessen in den Texten des äußeren Türrahmens (Text A und A') genannter Nachfolger Amenophis I. 25 26 27 URK. IV, 30 - 31; LACAU, Stèles du Nouvel Empire I, CGC, 16 f.; II, Pl. VI. Siehe GABRA, op. cit., 215 - 218, mit fig. 4 unten und fig. 5. Cf. GABRA, op. cit., 218. Bericht über drei Surveys 53 Zu der Darstellung auf der Nordseite der Nische (I) ist folgendes anzumerken: Unter dem Leib der Kuh befindet sich zentral eine kniende Figur mit erhobenen Armen28. Obwohl teilzerstört29, ist noch aus Arm- und Handhaltung zu ersehen, daß es sich bei dieser Figur um einen Himmelsträger handelt. Auf vergleichbaren Darstellungen30 wird allerdings in der Regel der Himmelsträger stehend abgebildet. Da die hier vorliegende kniende Haltung als Variante der stehenden aufgefaßt werden kann31, ist anzunehmen, daß mit dieser Darstellung der bisher früheste Beleg des Bildmotivs der gestützten Himmelskuh vorliegt.32 Südwestlich des Pachomiusklosters befinden sich mehrere überwiegend verschüttete spätzeitliche Grabanlagen von unterschiedlichem Typus.33 Im Gräberberg westlich des Klosters liegen einige kleinere, in spätantiker Zeit wiederbenutzte Gräber, teils mit koptischen floralen Dekorationen und christlichen Emblemen in Malerei, darunter ein Zweikammergrab mit einem derzeit nicht vollständig lesbaren Graffito. Etwas südlich des Gräberberges findet man im flachen Gelände ein auffälliges Grab. Es enthält, die Eingangswand ausgenommen, etwa im oberen Drittel der übrigen Wände der Grabkammer Bestattungsnischen, in denen sich noch immer einige z. T. stark zerstörte Mumien ohne Sarg befinden.34 Dieses Grab stammt frühestens aus ptolemäischer Zeit.35 Von den 1951 noch von S. SAUNERON entdeckten Sandsteinblöcken mit Hieroglyphen des Neuen Reiches und der Spätzeit, die in beträchtlicher Anzahl als Spolien im Pachomiuskloster verbaut waren36, haben wir keine entdecken können. Das Kloster ist allerdings Ende der 70er Jahre erheblich ausgebaut worden.37 28 29 30 31 32 33 34 35 36 37 Siehe schon GABRA, op. cit., 221. Photo 4474 des Edfu-Projekts. Cf. HORNUNG, Himmelskuh, 82; 85. Cf. KURTH, Den Himmel stützen, 122. Zu älteren textlichen Erwähnungen siehe KURTH, op. cit., 81 f. Einige von ihnen gewähren Zugang über eine Treppe. Photos 4450 ff. des Edfu-Projekts. Cf. KUHLMANN, Materialien zur Archäologie und Geschichte des Raumes von Achmim, SDAIK 11, 1983, 74. Cf. EFFLAND, in: EB 5, 1999, 30, n. 46. Cf. EFFLAND, in: EB 5, 1999, 27, n. 28. 54 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus MALEK machte auf einen heute in Kairo befindlichen Sarkophag aus Kalkstein38 aufmerksam, der ihm zufolge vielleicht aus Hager Edfu stammt39. Eine Untersuchung vor Ort40 durch D. Kurth (1996) ergab, daß der Sarkophag unbeschriftet geblieben ist. Der nach dem JdE aus der 19. Dynastie stammende 1,95 m lange Sarkophag ist jedoch mit Streifen (gelb mit roter Umrandung) zur Textaufnahme vorbereitet gewesen. Weiter südlich von Hager Edfu befindet sich ein Galeriesteinbruch (Sandstein), der bisher noch nicht in der entsprechenden Literatur erwähnt worden ist.41 Hinweise auf eine Datierung ließen sich allerdings nicht finden, so daß es nicht sicher ist, ob dieser Steinbruch bereits in der Antike benutzt wurde. Etwa 7 km südlich der kleinen Pyramide von Ghuneimija42 liegt die Nekropole von Naga el-Hisaja. Im Rahmen der Surveys wurden dabei auch einige der spätzeitlichen Gräber untersucht. Die nachfolgend wiedergegebene Inschrift befindet sich außen unmittelbar über dem Eingang eines bis fast an die Decke mit Sand aufgefüllten Grabes der Nekropole von Naga el-Hisaja43. Der Text wurde asymmetrisch angebracht; denn links beginnt er nahe der Öffnung des Eingangs, rechts hingegen endet er in weitem Abstand von der Türöffnung. .    Pabekis, Sohn des Pachomios, Sohn des Apollonios Anmerkungen zu den Namen:  < PA-bjk, Der-Falke. - Siehe RANKE, PN II, 279, 8; PREISIGKE, Namenbuch, 298 (cf. 252); LÜDDECKENS, in: Ägypten, Dauer und Wandel, Mainz 1985, 111 mit n. 47. 38 39 40 41 42 43 JdE 36 433; siehe B. HORNEMANN, Types III, 798. MALEK, in: LÄ IV, 427, n. 4, s. v. „Nekropolen. New Kingdom and 3rd Int. Period.“ Museum Kairo, Erdgeschoß, Korridor 9. Cf. R. KLEMM und D. KLEMM, Steine und Steinbrüche im Alten Ägypten, Berlin Heidelberg, 1993, Karte S. 229. Cf. EFFLAND, in: EB 5, 1999, 30 ff. Photos 4453 ff. des Edfu-Projekts. Bericht über drei Surveys 55  < PA-aXm, Der-Achem-Falke. - RANKE, PN I, 103, 15; PREISIGKE, op. cit., 296 f. (cf. 258: , „indekl.“); LÜDDECKENS, loc. cit. , Der-zu-Apollon-gehört. - PREISIGKE, Namenbuch, 41 f. Sämtliche Namen reflektieren den Hauptgott des Gaues, zu dem die Nekropole von Naga el-Hisaja gehört: Horus von Edfu. Die beiden ersten beziehen sich auf die wichtigste Erscheinungsform des Horus, diejenige eines Falken; der letzte Name beruht darauf, daß die Griechen den Gott Horus mit Apollon gleichsetzten. Alle drei Namen sind in Edfu durch zahlreiche griechische Ostraka und Papyri gut belegt.44 Zentral über der Graböffnung und in einem Abstand von vier Zeilenhöhen der soeben vorgestellten Inschrift ist ein Anch-Zeichen angebracht worden. Es hat die Form, die für seine Verwendung auf christlichen Denkmälern typisch ist.45 Wenn das Anch-Zeichen und die Inschrift zur selben Zeit angebracht wurden, was man nach der handwerklichen Ausführung beider durchaus vermuten kann, dann ruhte in diesem Grab ein Mann, der aus graeco-ägyptischem Milieu stammte und zum Christentum übergetreten war. Eine genaue Datierung ist nicht möglich, aber im vorliegenden Falle könnte man vielleicht das 3. - 4. Jahrhundert in Erwägung ziehen. In einem anderen Grab wurden einige hieroglyphische Inschriften dokumentiert. Der Eingang des Grabes wird außen von zwei aus dem anstehenden Felsen herausgearbeiteten Viertelsäulen mit geöffnetem Papyrusdoldenkapitell flankiert (Abb. 4)46. 44 45 46 Cf. z. B. Tell Edfou I, Index, 186, 188; Tell Edfou II, Index, 160, 163; Tell Edfou III, Index, 366; 368; 369. Cf. M. CRAMER, Das altägyptische Lebenszeichen, Wien 1943, zum Beispiel Fig. 17 f. und 50 f. - allerdings sind die Enden der Seitenarme nicht so breit. Photos 4457 f. des Edfu-Projekts. 56 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus N T1 T2 Kammer T3 Kammer und Schacht Kammer und Schacht T4 Skizze des Grabes in Naga el-Hisaja (aus Zeitgründen war es nicht möglich, das Grab zu vermessen) Texte des Grabes: Bei T1 handelt es sich um eine fünfzeilige senkrechte Inschrift, die in vertieften Hieroglyphen in der westlichen Türlaibung der westlichen Eingangstür angebracht.47 Ein fortlaufender Text ist mit den vorhandenen Zeichenresten derzeit nicht zu rekonstruieren; als einziger Name ist mehrfach sicher , ©Hwtj-mc, Djehuti-mes zu lesen. Von den Textresten lassen sich noch folgende Inhalte bestimmen: 47 Photos 4459 ff. des Edfu-Projekts. Bericht über drei Surveys 57 1.) In Zeile 3 wird mit der Erwähnung des Mundöffnungsrituals auf das Bestattungsritual angespielt: . 2.) Zeile 5 enthält Aussagen über das Weiterleben des Verstorbenen: , ... prj.n.j m dAt jj.n.j m ..., „... ich bin aus der Dat hervorgekommen, ich bin gekommen aus ...“. T2 ist eine einzeilige senkrechte Inschrift in vertieften Hieroglyphen in der östlichen Türlaibung der westlichen Eingangstür, von der nur noch wenige schwache Zeichenreste erkennbar sind.48 T3 oben, Architrav, rechter Türrahmen. Es handelt sich um eine kurze Beischrift in vertieften Hieroglyphen zu zwei stehenden Figuren in Anbetungsgestus.49 ← Lücke von X Quadraten Lücke von X Quadraten Lücke von X Quadraten Lücke von X Quadraten. [©Hwtj?]-%mc& Lücke von X Quadraten. [Djehuti?]-%mes& Lücke von X Quadraten. T3, senkrechte zweizeilige Inschrift am rechten äußeren Rahmen einer Tür, die zu einer weiteren Kammer führt, unterhalb von Architrav und Hohlkehle. Die Hieroglyphen sind in vertieftem Relief angebracht.50 ← 1 Lücke von X Quadraten Lücke von X Quadraten. 2 Lücke von X Quadraten Lücke von X Quadraten. 1 Lücke von X Quadraten %¡r&-smA-tAwj-pA-Xrd Hm nTr [jmj] %jbd&.f [jmj]-ct-a sS-%tAS& Hrj sA %2nw& HAtj-a ©bA %Nc&-¡r [... Lücke von X Quadraten.] 2 Lücke von X Quadraten jrj.n sA.f r canx rn.f Hm ¡r [... ... ..] jrj-pat HAtj-a ©Hwtj-mc mwt.f nb(t) pr [... Lücke von X Quadraten.] 48 49 50 Photo 4463 des Edfu-Projekts. Photos 4464 ff. des Edfu-Projekts. Photos 4466 ff. des Edfu-Projekts. 58 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus 1 Lücke von X Quadraten %Harsomtus&-das-Kind, Priester, der %monatlich& [Dienst tut, Imi]-set-a-Priester, %Bezirksbeamter (Gauschreiber)&, Leiter der %zweiten& Phyle, Nomarch von Edfu, %Nes&-Hor [... Lücke von X Quadraten.] 2 Lücke von X Quadraten sein Sohn hat (es) gemacht, um seinen Namen zu beleben, der Diener des Horus [... ... ..] Fürst, Nomarch, Djehuti-mes, dessen Mutter, die Hausherrin [... Lücke von X Quadraten.] Zur Titulatur des Vaters cf. z. B. die Stelen CG 22004 (Chonsu-ir-di-su und Djehuti-mes); CG 22048 (Pa-di-Imen) aus Naga el-Hisaja. Zeile 2 enthält einen Stiftungsvermerk des Djehuti-mes für seinen Vater Nes-Hor. Oder ist der Name Nes-Hor zu Nes-Hor-Behedet(i) zu ergänzen?51 Zu den Namen Djehuti-mes und Nes-Hor s. u. T4 eine senkrechte zweizeilige Inschrift am linken äußeren Rahmen einer Tür, die zu einer weiteren Kammer führt, unterhalb von Architrav und Hohlkehle. Die Hieroglyphen sind in vertieftem Relief angebracht.52 In der rechten, ersten Zeile ist noch zu erkennen: → Lücke von X Quadraten Lücke von X Quadraten Lücke von X Quadraten Lücke von X Quadraten. [¡r-smA-]%tAwj&-pA-Xrd Hm nTr ... Lücke von X Quadraten. %Harsomtus&-das-Kind, Priester ... Lücke von X Quadraten. Die linke, zweite Zeile ist bis auf nicht lesbare Zeichenreste zerstört. In diesem Grab sind in den aufgenommenen Texten zwei Personen mit ihren Namen und Titeln erwähnt: Djehuti-mes und Nes-Hor, wobei, wie aus den Texten hervorgeht, Djehuti-mes der Sohn des Nes-Hor ist. Bei beiden handelt es sich um Nomarchen von Edfu. Aufgrund dieses Titels scheint eine Datierung des Grabes in die 26. - 29. Dynastie wahrscheinlich. Der fragmentarische Erhaltungszustand der Inschriften, sowie die nur bedingte Übereinstimmung der Filiationsangaben und Titel läßt eine sichere Zuordnung des Grabbesitzers bzw. der Grabbesitzer zu bereits bekannten Stelen, Kanopen und Särgen aus dieser Nekropole derzeit nicht zu. 51 52 Dieser Name ist ebenfalls in der Nekropole von Naga el-Hisaja belegt, siehe VITTMANN, Priester und Beamte im Theben der Spätzeit, BzÄ 1, 1978, 65. Photo 4469 des Edfu-Projekts. Bericht über drei Surveys 59 Der Name Djehuti-mes ist in Naga el-Hisaja al-Gharbi nicht ungewöhnlich und seit der 26. Dynastie bis in römische Zeit belegt: 1. Stele Hilton Price 201853 Stelenbesitzer ©Hwtj-mc, Sohn des Nc-¡r 2. Stele CG 22004 Vater des Stelenbesitzers ©Hwtj-mc, Vater des ¢ncw-jr-dj-cw 3. Stele CG 22008 Vater der Stelenbesitzerin ©Hwtj-mc, Vater der ¦A-djt-¡r-smA-tAwj 4. Stele CG 22048 Vater des Stelenbesitzers ©Hwtj-mc, Vater des PA-dj-jmn 5. Stele CG 22049 Vater des Stelenbesitzers ©Hwtj-mc, Vater des ¡r-sA-Act 6. – 8. Stele Kairo T 6.7.24.654 (3x) Stelenbesitzer (I.) und beide Großväter (II. und III.) ©Hwtj-mc II. ©Hwtj-mc III. ©Hwtj-mc 9. Kanope CG 4739 Kanopenbesitzer ©Hwtj-mc, Sohn des PA-dj-jmn 10. Sarkophag(-fragment) Daressy, RecTrav 23, 1901, Nr. f. Sargbesitzer ©Hwtj-mc, Sohn des PA-dj-jmn 53 54 Cf. MUNRO, Totenstelen, 251; ders., in: MDAIK 41, 1985, 149 ff.; DE MEULENAERE, in: MDAIK 25, 1969, 90 ff. Cf. MUNRO, Totenstelen, 250; ders., in: MDAIK 41, 1985, 149 ff.; DARESSY, in: RecTrav 14, 1893, 180 f.; ders., in: RecTrav 23, 1901, 129 f., Nr. d; DE MEULENAERE, in: MDAIK 25, 1969, 90 ff. 60 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus 11. Sarg Kelsey Museum 89.3.155 Sargbesitzer ©Hwtj-mc, Sohn des Nespasef? bzw. Nespachered? Man vergleiche auch den in Edfu gekauften pKairo 50 152 + 50 158 des ©Hwtj-mc, Sohn des PA-dj-jmn.56 Der Name Nes-Hor ist seltener belegt: 1. Stele Hilton-Price 201857 Vater des Stelenbesitzers Nc-¡r, Vater des ©Hwtj-mc 2. Stele Privatsammlung58 Vater des Stelenbesitzers Nc¿-¡r, Vater des PA-Srj-Ast 3. + 4. Stele Kairo T 6.7.24.659 (2x) Urgroßväter des Stelenbesitzers I. Nc-¡r, Vater des ©Hwtj-mc II. Nc-¡r, Vater des ©Hwtj-mc Am Fuße des Berges, der nördlich des lokalen Gräberberges liegt, befinden sich zwei Schächte. Einer ist gut gearbeitet, hat Trittlöcher und führt zu drei Kammern. Darin lagen ansehnliche aber stark zerfressene Reste eines mumienförmigen Holzsarges, einst wohl eine gute Arbeit (ein Fragment zeigte das rechte Ohr und eine Strähne der Perücke). Im Umfeld fanden sich Reste eines wohl mumienförmigen Sarkophages aus feinem Kalkstein. 55 56 57 58 59 Cf. ELIAS, in: JARCE 33, 1996, 119 (i) ff.; RICHARDS und WILFONG, Preserving Eternity: Modern Goals, Ancient Intentions, Kelsey Museum of Archaeology, Ann Arbor, MI, 1995, 5055 und A.J. HOGG, Jr. und G.I. BROWN, Conservation Report. The Conservation of the Egyptian Polychrome Coffin of Djheutymose, URL: http://www-personal.umich.edu/~alanhogg/89.3.1/. - Von diesem Djehuti-mes ist auch eine Ptah-Sokar-Osiris Statuette (ebenfalls im Kelsey Museum of Archaeology) erhalten, siehe RICHARDS und WILFONG, Preserving Eternity, 52, n. 1. Cf. SPIEGELBERG, Demotische Denkmäler III, 112-4; YOYOTTE, in: Kêmi 12, 1952, 93-6; DE MEULENAERE, in: MDAIK 25, 1969, 96, n. 4. Cf. MUNRO, Totenstelen, 251; ders., in: MDAIK 41, 1985, 149 ff.; DE MEULENAERE, in: MDAIK 25, 1969, 90 ff. Cf. CAUVILLE, in: RdE 34, 1982, 23 ff.; zur Lesung des Namens cf. MUNRO, in: MDAIK, 41, 1985, 171 f. Cf. MUNRO, Totenstelen, 250; ders., in: MDAIK 41, 1985, 149 ff.; DARESSY, in: RecTrav 14, 1893, 180 f.; ders., in: RecTrav 23, 1901, 129 f., Nr. d; DE MEULENAERE, in: MDAIK 25, 1969, 90 ff. Bericht über drei Surveys 61 Südlich des Gräberberges von Naga el-Hisaja, im annähernd flachen Gelände, fand sich ein Gräberfeld mit Flachgräbern, die offensichtlich aktuell noch immer geplündert werden. Dort lagen Sargreste, Fragmente von Terrakottasärgen, und weiteres Grabinventar. Sowohl im Gebiet östlich wie auch westlich von Naga el-Hisaja wurden keine Spuren antiker Anlagen festgestellt. Aufgrund einer mündlichen Mitteilung von Herrn Prof. de Meulenaere erhielten wir Kenntnis darüber, daß zu einem nicht näher bestimmbaren Zeitpunkt - wahrscheinlich durch die ägyptische Altertümerverwaltung - im Süden von Edfu, im Bereich des Fruchtlandes, die Reste eines kleinen Gebäudes aus Stein - vermutlich ein Kultbau - freigelegt worden war. Im Rahmen des Surveys der 1. Kampagne konnten die Gebäudereste etwa auf der Höhe (nord-östlich) von Naga el-Hisaja lokalisiert werden. In der 2. und 4. Kampagne wurden die Fundamente etwas eingehender untersucht. Eine Freilegung des vorderen Bereichs, der noch (oder wieder?) im Erdreich verdeckt liegt, im Rahmen der 3. und 4. Kampagne, konnte aus technischen Gründen nicht durchgeführt werden, ist aber für die 5. Kampagne wieder geplant. Das Folgende ist also lediglich als ein erster Vorbericht zu werten. 13 m nicht freigelegt 2,30 m 2,35 m 3,60 m 3,60 m 2,60 m 6m 3,70 m 1,10 m 1,10 m 1,20 m Skizze des Tempelfundamentes von Naga el-Hisaja (alle Maßangaben wegen der zerstörten Kanten ± 10 cm) 62 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus Nach den Fundamentmauern zu schließen, bestand das Gebäude aus zwei Räumen, wobei der hintere Raum eine geringere Tiefe als Breite aufwies (Abb. 5 u. 6). Vor diesem Gebäude befand sich offenbar ein Vorbau aus Säulen, zwischen denen sich Schranken befanden. Dieses geht aus Vorritzungen auf dem Fundament hervor (Abb. 7). Innerhalb dieser Vorzeichnungen sind Mörtelbetten eingetieft.60 Der Vorbau lag mit seiner Raummitte nicht auf der Achse der folgenden Räume, sondern war ca. 30 cm nach links aus dieser Achse verschoben. Über den vorderen Bereich der Fundamente dieses Vorbaus verläuft ein Trampelpfad, so daß weitere Aussagen über den Eingangsbereich und Maße des Vorbaus nicht möglich sind. Zwischen dem Vorbau und dem folgenden Raum besteht ein Durchbruch im Fundament (Abb. 8), bei dem sich bislang nicht sagen läßt, ob er im Zusammenhang mit einem hier sicherlich vorhanden gewesenen Durchgang gesehen werden muß und somit seine Größe Rückschlüsse auf die Größe dieses Durchgangs bzw. dieser Eingangtür des Gebäudes zuläßt. Von dem Fundament, daß einst die Wand zwischen dem ersten und zweiten Raum getragen hat, sind in der oberen Lage nur noch die an das Seitenfundament anstoßenden Blöcke in situ, so daß sich auch hier keine Aussagen über die Verbindung dieser beiden Räume machen lassen. In dem letzten Raum ist teilweise noch der Boden vorhanden. Etwa 70 m östlich von diesem Gebäude fanden sich am Grund eines Wassergrabens Steinquader, die auf das Gebäude ausgerichtet sind, so daß man vermuten kann, daß es sich um Überreste eines auf das Gebäude hinführenden Weges handelt. Das Gebäude ist nach ersten Einmessungen auf die nördliche Spitze von Naga elHisaja ausgerichtet. Soweit es sich bisher zusammenfassend sagen läßt, hat es sich um ein hinten geschlossenes Gebäude mit zwei Räumen und einem kioskähnlichen Vorbau gehandelt. Als ein vergleichbares Beispiel sei hier der Hathortempel auf Philä genannt, ohne daß dadurch auf die Funktion des Gebäudes geschlossen werden kann61. Der Survey, innerhalb dessen Rahmen die Fundamente „wiederentdeckt“ wurden, diente nicht zuletzt vor allem der Suche nach Hinweisen auf die Göttliche Stätte 60 61 Cf. hierzu RICKE, Die Tempel Nektanebos' II. in Elephantine und ihre Erweiterungen, BeiträgeBf 6, 1960, 21. DAUMAS, in: ZÄS 95, 1968, 2. Cf. auch die Vorbauten der Mammisi von Edfu und Dendera (älteres Mammisi) bei BORCHARDT, Ägyptische Tempel mit Umgang, BeiträgeBf 2, 1938, Bl. 2 und. 3 Bericht über drei Surveys 63 und Götternekropole von Edfu. Eine der drei möglichen Lokalisierungen für diesen Ort ist die Gegend um Naga el-Hisaja62, so daß die Frage nach einer möglichen Funktion und Bedeutung des Gebäudes im Zusammenhang mit der Göttlichen Stätte und den dorthin erfolgten Prozessionen naheliegt. Es könnte sich also um eines der zur Göttlichen Stätte gehörigen Gebäude handeln, über die uns die Texte des Edfutempels berichten63, oder um ein Gebäude auf dem Weg zur Göttlichen Stätte, d. h. eine Zwischenstation, ein Barkenheiligtum oder dergleichen. Da es sich um kein Durchgangsheiligtum handeln kann, wäre es als Barkenstation nur denkbar, wenn es im rechten Winkel an einen Prozessionsweg angebunden wäre64, d. h. ein Weg, der nord-südlich verlaufen wäre. Da hier konkrete Hinweise vorliegen (s. o.), daß ein Weg achsial auf das Gebäude hinführte, bliebe als Möglichkeit nur, den weiteren Weg sich im rechten Winkel dazu vorzustellen, d. h. nach Verlassen der Barkenstation wäre man nach Süden oder Norden weitergezogen65. Daß ein weiterer Verlauf des Weges am Gebäude vorbei, in Richtung Naga elHisaja geführt hätte, erscheint mehr als unwahrscheinlich. Eine andere Möglichkeit wäre, hier den Endpunkt eines Prozessionsweges zu sehen, wie man es im Bereich der Göttlichen Stätte erwarten könnte. Hier käme z. B. der in den Texten genannte „Untere Tempel“ in Betracht66. Eine wichtige Frage bei allen diesen Erwägungen ist jedoch noch zu stellen: Hätte die Prozessionsbarke des Horus von Edfu in diesem Gebäude überhaupt Platz gefunden? Hinsichtlich der Größe der tragbaren Horusbarke liegen keine in den Texten überlieferten Angaben vor. Wichtig scheint in diesem Zusammenhang vor allem die Größe des Traggestells. Nach einer Darstellung im Erscheinungssaal des Horustempels bestand diese aus 5 Tragholmen67. Wie LEGRAIN in einem grundlegenden Aufsatz aufgezeigt hat, würde dies bedeuten, daß das Gestell eine Breite von 1,885 m und eine Länge von 4,46 m gehabt hätte68. Diese Maße basieren u. a. auf einer 62 63 64 65 66 67 68 Siehe KURTH, in: GM 142, 1994, 93 ff. KURTH, op. cit., 94. Vgl. das Barkensanktuar Sethos II. in Karnak. Ein Beispiel für diesen geknickten Verlauf und eine entsprechende Anbindung des Barkenheiligtums wäre das Barkensanktuar im ramessidischen Hof des Luxortempels. ¡t Xrt - EDFOU V, 129, 9; 135, 6; 136, 1. Zur Funktion dieses Gebäudes im Festablauf siehe KURTH, Treffpunkt der Götter, 166-172. EDFOU IX, Pl. XL f. Cf. die auf dem Photo besser erkennbare Hintereinanderstaffelung der Träger bei der analogen Darstellung der Hathorbarke in EDFOU XII, Pl. CCCLXXX. LEGRAIN, in: BIFAO 13, 1917, 13. 64 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus angenommenen durchschnittlichen Schulterbreite von 44 cm der Träger69 und der Annahme von 6 Trägern hintereinander entsprechend der Prozessionsdarstellung im Erscheinungssaal des Edfutempels70. Ausgehend von diesen Dimensionen hätte sowohl die Hathor- wie auch die Horusbarke im Barkensanktuar des Edfutempels ausreichend Platz gehabt71. LEGRAIN ist bei seinen Betrachtungen von der bislang nicht widersprochenen Annahme ausgegangen, daß das Traggestell der Götterbarken starr war und in seiner unveränderlichen Form mit der Barke in den jeweiligen Sanktuaren abgestellt wurde72. Die Szenen des Epiphifestes im Hof des Edfutempels zeigen keinerlei Staffelung der Träger, so daß man hier auf schematisierte Darstellungen schließen kann73. Unsicher ist allerdings, ob der Umstand, daß hier nur 4 Träger statt der zu erwartenden 6 hintereinander zu finden sind, ebenfalls eine Folge der Schematisierung ist oder ob sich hier Reales widerspiegelt. Da es bislang keine Hinweise darauf gibt, daß in Tempeln verschieden große Tragbarken nebeneinander gebraucht wurden (kleinere für lange Strecken, größere für kürzere Wege) ist man eher geneigt, auch dieses der Schematisierung zuzuschreiben. Unter diesen Voraussetzungen wäre davon auszugehen, daß weder beide Barken noch die des Horus allein in dem Gebäude Platz gefunden haben können. Eine endgültige Klärung dieser Frage scheint derzeit nicht möglich, und man wird abwarten müssen, welche Ergebnisse die weitere Freilegung des Gebäudes zutage fördern wird. 69 70 71 72 73 LEGRAIN, op. cit., 7. LEGRAIN, op. cit., 68 u. Fig. 5. Siehe die Rekonstruktion bei LEGRAIN, op. cit., 69, Fig. 5. Hierin folgt ihm TRAUNECKER, La chapelle d'Achôris à Karnak II, Paris, 1981, 85. EDFOU XIII, Pl. CCCCLII. Bericht über drei Surveys 65 Abb. 1: Vorhof und Eingang zum „Statuengrab“ Abb. 2: Statuennische 66 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus Abb. 3: Graffito des Necht-Min Abb. 4: Eingang zum Grab des Djehuti-Mes / Nes-Hor Bericht über drei Surveys 67 Abb. 5: Fundament des kleinen Tempels in Naga el-Hisaja (Blick von Norden) Abb. 6: Fundament des kleinen Tempels in Naga el-Hisaja (Blick von Osten) 68 A. Effland, D. Kurth, E. Pardey, W. Waitkus Abb. 7: Mörtelbett im Tempelfundament von Naga el-Hisaja Abb. 8: Fundament des kleinen Tempels in Naga el-Hisaja (Durchbruch)
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