Osiris in Abydos – Deutsches Archäologisches Institut-Jahresbericht 2010 morein: Archäologischer Anzeiger 2011/1 Beiheft, 2012, 143-144 |
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Archaologischer Anzeiger 2011/1 Beiheft
Deutsches Archaologisches Institut
JAHRESBERICHT 2010
HirmerVerlag • Munchen
ARCHAOLOGISCHER ANZEIGER • BE I HEFT
die Zeitschrift erscheint seit 1889, das Beiheft mit dem Jahresbericht des DAI seit 2008
AA2011/1 Beih. • VI, 394 Seiten mit 550 Abbildungen
Herausgeber
Deutsches Archaologisches Institut
Zentrale
Podbielskiallee 69-71
14195 Berlin
Deutschland
www.dainst.org
© 201 2 Deutsches Archaologisches Institut/Hirmer Verlag GmbH
ISSN: 0003-81 05 ■ ISBN: 978-3-7774-4871-8
Gesamtverantwortliche Redaktion: Redaktion an der Wissenschaftlichen Abteilung des Deutschen Archaologischen Instituts in Berlin
(www.dainst.org/de/department/redaktion-der-zentrale?ft=all)
Redaktion, Layout und Satz: DerkW. von Moock, Athen, nach Standard-Layout des Archaologischen Anzeigers von F217 Sai I er/Sohn, Berlin
Bildbearbeitung und Umschlag: Catrin Gerlach, Deutsches Archaologisches Institut, Zentrale
Herstellung und Vertrieb: Hirmer Verlag GmbH, Munch en (www.hirmerverlag.de)
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Anfragen. Wir mochten Sie bitten, in solchen Fallen einen entsprechenden Hinweis an die Redaktion des DAI (redaktion@dainst.de) zu senden,
damit eine Einholung der Publikationserlaubnis schnellstmoglich noch vorgenommen werden kann. - Landerkarten: Weitkarte nach R. Stockli,
E. Vermote, N. Saleous, R. Simmon and D. Herring (2005). The Blue Marble Next Generation - A true color earth dataset including seasonal
dynamics from MODIS. Published by the NASA Earth Observatory. Corresponding author: rstockli@climate.gsfc.nasa.gov. -Flusse nach Global
Runoff Data Centre (2007): GIS Layers of Major River Basins of the World. 1s' edition. GRDCin the Bundesanstaltfur Gewasserkunde, 56068
Koblenz, Germany, http://grdc.bafg.de. - Landergrenzen nach Environmental Systems Research,Inc. (ESRI), 20050811, Countries: ESRI Data &
Maps 2005, Environmental Systems Research Institute,Inc. (ESRI), Redlands, California, USA
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Abteilung Kairo 11
Aus den Schutthalden und der Fiillung der Nebengraber wurden erneut
groBe Mengen an Keramik, SteingefaBfragmenten, Siegelabrollungen und
einige Objekte aus Elfenbein, Holz und Stein geborgen, u. a. ein MobelfuB
(Abb. 25), ein Ideines SilbergefaB mit Inschrift, beschriftete Anhangetafelchen
und ein Rollsiegel aus Holz.
Am Grab des Dewen wurde in der Konigskammer das alte Mauerwerkim
oberen Abschnitt der Westwand mit neuen Ziegeln abgemauert, um Scha-
den durch nistende Vogel zu verhindern. AuBerdem wurden die infolge von
Setzungen unterschiedlichen Oberkanten der Nord- und Westwand bis zum
urspriinglichen Niveau erganzt und der Verputz der erganzten Deckenfassung
erneuert (Abb. 26). Die damit abgeschlossene Rekonstruktion wurde mit
zahlreichen Fotos, insbe sonde re der Holzdecken der Haupttreppe (Abb. 27)
und des Siidwestannex, der als Statuenkammer diente, dokumentiert.
Forderung: DFG ♦ Leitung des Projekts: G. Dreyer ♦ Mitarbeiter und
Mitarbeiterinnen: F. Barthel, A. B16baum,J. Bock, U. Hartung, R. Hartmann,
Chr. Hochstrasser-Petit, I. Kohler H. Kopp, A. Kohse, R. Kuhn, M. Mahn,
N. Marcinzik M. Mayrhofer, P. Meyrat, S. M tiller, V. M tiller, I. Regulski,
M. Sahlhof, U. Sikora, Z. Spyranti, B. Steidle, B. Wortmann, L. Ziemer ♦
Abbildungsnachweis: DAI-KAI (Abb. 24-27).
Osiris in Abydos
Das Toponym Abydos subsumiert eine Anzahl unterschiedlicher archaolo-
gischer Statten, von denen die etwa 1,5 km westlich des Fruchtlandrandes
gelegene frtihdynastische, konigliche Nekropole von Umm el-Qaab ein
bedeutender Teil ist. Die aktuellen archaologischen Aktivitaten des DAI kon-
zentrieren sich seit einigenJahren auf den zentralen Bereich dieser Nekropole,
das Grab des Konigs Djer aus der 1. Dynastie, das in einer sekundaxen Nutzung
mit dem Grab des mythischen Konigs Osiris identifiziert worden ist. In die-
sem Zusammenhang — als Osirisgrab — stand es in engem kultischen Bezug zu
anderen archaologischen Statten der Umgebung. Umm el-Qaab kann inner-
halb der Sakrallandschaft Abydos nichtisoliert betrachtetwerden. ImRahmen
des Forschungsclusters 4 »Heiligttimer: Gestalt und Ritual. Kontinuitat und
Veranderung« wird die sekundare Nutzung der Nekropole von Umm el-Qaab
im Kontext des abydenischen, zentralen Kultortes des Osiris untersucht, ins-
besondere die kultische Kontinuitat des Platzes bis zum frtihen 6. Jh. n. Chr.
Das Osirisgrab ist durch mehrere Kult- und Prozessionsachsen an weitere
Kultanlagen und sakrale Bereiche angeschlossen. Die intensivere Untersu-
chung bestimmter Areale von Relevanz, dazu zahlt vornehmlich der sog. Stid-
htigel (etwa 150 m stidwestlich des Grabes des Chasechemui) hat das Potential,
das Verstandnis der Einbindung von Umm el-Qaab in die Kultlandschaft von
Abydos erheblich zu verbessern. Hier liegt das derzeitige Hauptaugenmerk.
Dieser Stidhtigel sowie das Wadi Umm el-Qaab im Siidwesten der Nekro-
pole lassen sich vermutlich mit bereits aus den Pyramidentexten bekannten
Toponymen gleichsetzen, was eine Verortung bestimmter, aus zahlreichen
religiosen Texten erschlossener Ritualsequenzen ermoglichen kann.
In Abstimmung mit den Grabungen des DAI zur Untersuchung der fruh-
dynastischen Nutzung der Nekropole von Umm el-Qaab wurden die hierbei
gemachten osirianischen Funde und Befunde weiter dokumentiert und ausge-
wertet (zu den Arbeiten in Abydos s. auch hier S. 141—143). Der archaologische
Fokus des Osiris-Projekts gilt in erster Linie den Bereichen siidlich und westlich
des Osirisgrabes, derbislangvon alten, fundreichen Halden iiberdecktist. Hier-
bei lag ein Schwerpunkt auf der systematise hen Erfassung der beim Grab des
Djer/Osirisgrab gelagerten Keramikberge. Insgesamt wurden fast 13 000 dia-
144 Jahre sbe ri cht 2 010 de s DAI
gnostische Scherben und vollstandige GefaBe erfasst. 130 neue Typen konnten
dem bi slang bekannten Formenkorpus hinzugefugt und dokumentiert werden.
Fine groBere Anzahl neuer Schriftfunde konnte u. a. in Form von hie-
ratischen Dockets auf Amphoren (19. bis 20. Dynastie) und hieratischen
Aufschriften auf groBen, dickwandigen GefaBen mit derNennung von Herr-
schern der22. Dynastie (Osorkon, Schoschenq) dokumentiert werden. Hinzu
kommen mehrere hieroglyphische Tintenaufschriften mit Erwahnungen von
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Osiris in Abydos
Abb. 28 Photographisch.es Anpassen
beschrifteter VotivgefaG fragmente
(Osorkon, 22. Dynastie). Links: Scherben
aus der rezenten Grabung des DAI
(Ab K 2420),rechts: aus der alten Grabung
von W. M. F. Petrie (University College
London, Petrie Collection UC 39681)
Abb. 29 Zeichnerisches Anpassenzweier
beschrifteter Fragmente mitDedikations-
inschrift des Minmose (19. Dynastie).
Rechts: aus der rezenten Grabung des
DAI (Ab K 3281), links: aus der alten
Grabung vonW. M. F. Petrie (University
College London, Petrie Collection
UC 39678)
Herrschern und Hohepriestern des Amunrasonther (Osorkon I., Osorkon II.,
Psusennes )III.< und Iuwelot, alle 22. Dynastie) sowie 14 weitere Fragmente
von herzformigen GefaBen (19. Dynastie) mit eingeritzten hieroglyphischen
Inschriften, die teilweise Dedikationsvermerke des thinitischen Hohepriesters
Minmose aufweisen. Von besonderer Bedeutung ist die Identifizierung eines
bislang nicht bekannten Konigs Schoschenq und seiner Mutter (22. Dynas-
tie) aus dem beschrifteten Material. Wie in den Vorjahren konnten etJiche
Anpassstiicke zu Fragmenten aus den alten Grabungen E. Amelineaus und
W M. F Petries identifiziert werden, die sich heute in verschiedenen Samm-
lungen und Muse en, be sonde rs in Paris und London befinden (Abb. 28. 29).
Zu den weiteren Funden zahlen u. a. eine vollstandige jedoch stark verwit-
terte Opferplatte aus Kalkstein, Fragmente weiterer Opferplatten und Stelen
(Abb. 30) sowie eine Anzahl von Nilschlamm-Siegelabdrucken (MittJeres
Reich bis 26. Dynastie). NordwestJich des Osirisgrabes wurden ein groBes
Fragment des Daches eines Naos aus Kalkstein (ca. 0,76 m x 0,66 m x 0,41 m)
sowie mehrere Fragmente eines weiteren kleinen Kalkstein-Naos geborgen.
Leitung des Projekts: U. Effland ♦ Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen:
F Barthel, J. Budka, A. Effland, M. Mayrhofer, J. D. Preisigke ♦ Abbildungs-
nachweis: A. Effland (Abb. 28); DAI-KAI, U. Effland (Abb. 29); F. Barthel
(Abb. 30).
Abb. 30 Osiris in Abydos, Relieffragment
mitder Darstellung einer falkenkopfigen
Gottheit
Das Fayum Survey Projekt
Uber kaum eine an tike Landschaft und ihre Menschen wissen wir so vi el wie
iiber die Oase Fayum siidwestJich des heutigen Kairo in Agypten.
Die groBe Senke westlich des Nils wurde schon in pharaonischer Zeit,
allerdings nur spaxlich, besiedelt. Im MittJeren Reich entstand hier umfangrei-
cheres Ackerland, nachdemPharao Amenemhet III. den ausgebreiteten Sumpf
durch einzelne Kanale urbar gemacht hatte. Das Goldene Zeitalter des Fayum
begann unter den Ptolemaern, die in der Nachfolge Alexanders des GroBen
etwa 300 Jahre in Agypten herrschten (Abb. 31).
Die Ptolemaer erweiterten das Kanalsystem, bauten Damme und regu-
lierten den Zufiuss vom Nil. Viele Tausende griechischer Siedler fanden im
Fayum Grund und Boden und eine neue Heimat. Sie kamen als Soldaten,
Verwaltungsbeamte, Handler, Baumeister oder Landwirte.
AA2011/1 Beiheft